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Das Tagebuch eines kleinen Abenteuers

Dieses kleine Tagebuch ist meiner Tochter Mareike gewidmet. Sie hatte die Idee zu dieser Tour. Unter ihrem Sternzeichen fuhren wir und sie war die gute weibliche Seele in unserem Auto. Danke, mein Skorpion!

Samstag, 16.01. 1999

Monotones, rhythmisches Schnarren. Fünf Uhr dreißig. Handkantenschlag auf den Wecker, ja es ist wirklich wahr, die Nacht ist zu Ende. Anfang einer Tour. Auch Mareike ist nicht glücklich über das so abrupte Ende der Nacht. Das Blubbern des Wasserkochers und der aromatische Kaffeegeruch stimmen wieder versöhnlich. Zeitdruck ist angesagt: Sechs Uhr dreißig soll Uli abgeholt werden, noch müssen einige Dinge, wie unser Lebensmittelvorrat im Wagen verstaut werden. Mareike ist ein Organisationstalent. Alles, wie bei der Armee übersichtlich zusammengestellt. Auch die Dachlast muß noch verzurrt werden, im Regen keine attraktive Tätigkeit.

Mühsam schafft der Wischer die Wassermassen von der Scheibe, die schweren Reifen laufen wie Schlauchboote auf die Gischt, die kaum mehr von der Straße abfließt. Uli nutzt die Anfahrt zum Treffpunkt, um sich mit der GPS vertraut zu machen. Geduldig quält er sich durch die Bedienoberfläche und stellt mir Fragen. Noch ist der Verkehr dünn, drittletzter Tag im Monat Ramadan. Hamdullila, Gott-sei-Dank, wir kommen glatt zum Treffpunkt durch. Sieben Uhr dreißig. Ganz verschämt versucht die Sonne sich durch die Wolken Jebel el Ressas hindurch zu schieben. Keine Chance.

Eng pressen sich die bereits anwesenden Teilnehmer an die Wand der Tankstelle. Kalt. naß....! Ich sammele die Abschlagszahlungen ein, trotz Wind und Wetter ist die Stimmung gut. Ob ich das Wetter auch organisiert hätte. Antwort: Das müsse so sein, sonst wäre die Stimmung gleich zu euphorisch.

Kurzes Briefing: Fahrt in drei Teams Metallic, Red und White mit 10 Minuten Abstand, Verpflegung in eigener Regie, Treffpunkt Ortseingang Tozeur, Notverbindung über GSM, ab Kairouan über Barbaras Handy aus einem Taxiphone, wenn möglich über den 2m Funk.

Acht Uhr. Team Metallic, Dorota, Uli und wir gehen zuerst auf die Piste. Dann Team Red, dann Team White. Südlich Hammamet soll es besser werden, inshallah, so Gott will. Ein regnerischer Tag ist ein glücklicher Tag, so ein arabisches Sprichwort, für uns auch? Uli fährt vor. Sein kurzer Toyota sei langsamer, ich habe Schwierigkeiten auf dem dicken Wasserfilm hinterherzuschwimmen. Südlich Hammamet kurzes Sonnenintermezzo.

Über GSM kurzer Kontakt zu Elke hinter der Peage: Dort ist noch Weltuntergangsstimmung. Uli übt mit diversen Punkten aus der GPS Bibliothek einschließlich Leibertingen und Aachen. Super: System kapiert, ich denke, das wird ein gutes Team.

Autobahnabfahrt Enfidha, hinter uns an der Kontrolle die beiden Nissans des Team Red, sie haben im Regen mächtig aufgeholt und lassen sich jetzt zurückfallen.

Kairouan, viertheiligste Stadt des Islam, ein arabischer Heerführer habe hier um 670 n.Chr. Bei der Islamisierung Tunesiens eine Lanze in den Boden gestoßen und Wasser sei entsprungen. Heute stoßen wir keine Lanze in den Boden, doch der Regen hat nachgelassen, große Pfützen auf und neben der Straße zeugen vom herabgegangenen Segen.

Die Oueds die links und rechts der Straße verlaufen ,sind voller Wasser, glücklicherweise ist der Straßendamm ausreichend hoch, so daß es keine Probleme gibt.

Bereits vor Kairouan zeigt der Feldstärkemesser des Handys keinen Ausschlag mehr, Verbindung haben wir nur noch über den 2m Funk. Später erfahre ich, daß Klaus Bu mit seinem Analogtelefon sogar noch bis in die Wüste vor Ksar Ghillane telefonieren konnte.

Verschmitzte Sonnenstrahlen versuchen verzweifelt, sich durchzusetzen, doch die graue Wolkenfront hält die Übermacht, ein kleiner Weiler mit Straßenkreuzung nördlich von Gafsa, einige Häuser, eine Tankstelle, eine Kreuzung, zwei Polizisten. Gelegenheit zunächst mal aufzutanken. Kurz nach elf Uhr, auch Magenknurren macht sich bemerkbar. Team White rollt heran, sie haben Red bei der Pause überholt und fahren jetzt weiter.

Wir fahren in ein kleines Waldstück an der Kreuzung, Autos zur Wagenburg, Heckklappen auf und Picknick heraus. Da fällt uns ein, es ist ja Ramadan, wir wollen die Menschen nicht verärgern und verziehen uns schnell mit allem in das Innere der Wagenburg. Dies schützt aber nicht vor neugierigen Blicken. Frikadellen von Uli, Nudelsalat von Mareike, Stullen von Dorota, alles vom Feinsten.

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Gafsa, eine der größeren Städte im südlichen Tunesien und Kapitale des Phosphatausbaus, die Sonne gewinnt zunehmend die Oberhand. Wir fahren durch einen Oued vor der Stadt. Auf dem etwa 200 Meter breiten Geländeeinschnitt ist ein kleines Strömlein so aufgestaut worden, daß es nur als dünnes Flüßchen sein Wasser über die Furt bringt. Die Straßen sind voll von Menschen, während Ramadan sind überall zusätzliche Marktbereiche angelegt, die Menschen erledigen nun vor dem Ifthar, dem Fastenbrechen, ihre letzten Einkäufe. Wir drängen uns mit dem Auto durch die Menge, das Gefühl habend hier so jetzt eigentlich sehr fremd zu sein.

Richtung Metlaoui, Uli ermittelt jetzt Längen- und Breitenangaben aus der Karte und trägt sie in das GPS ein, die Richtung stimmt schon einmal. Die Sonne hat jetzt endgültig gewonnen.

Kurz nach vierzehn Uhr, Team White am linken Straßenrand, Elke und Stefan mit Bernd, Astrid und Britta suchen immer noch nach einem Picknickplatz. Jetzt werden sie hier auf der freien Plaine vespern.

Metlaoui, Ulis ermittelte Koordinate läuft etwa 800 Meter rechts an uns vorbei. Klasse, Uli!

Ortseingang Tozeur, kurz vor fünfzehn Uhr. Ein gigantisches Tor, fast an Golfkriegszeiten erinnernd, macht auf die Bedeutung der Stadt aufmerksam. Ich spreche mit Dorota und Uli ab, daß sie auf den Rest der Gruppe warten und ich bereits im Hotel die Zimmer klarmache. Im Hotel lerne ich den neuen Direktor kennen, Mr. Youssef. Er hat in Deutschland Hotelfach studiert, in Heidelberg und dort auch sein Herz verloren. Sein Deutsch ist ausgezeichnet, er sagt mir jede Unterstützung zu. Im Hotel scheinen wir neben zwei Einzelpersonen die einzigen Gäste zu sein. Der Monat Ramadan ist ein Monat der Familie, wenn er nicht muß oder nicht will, geht der Tunesier nicht auf Reisen.

Schnell sind die Zimmer verteilt und das Gepäck verräumt. Klaus B. schlägt vor, eine Kutschentour zu machen, ich bitte ihn, das zu organisieren. Uli Kiesow ist müde und legt sich zunächst hin. Mit den Kindern fahre ich im Jeep zunächst zum Belvedere, einer Sandsteinformation westlich Tozeurs, dort hat man einen schönen Ausblick auf die Umgebung. Dann geht es nach GPS über Nefta nach Moss Eisley, der bekannten Filmkulisse aus dem Starwars Film. Exakt zeigt die GPS den Pistenverlauf, leider nicht die Löcher an. Mit einem riesigen Satz springen wir über eine Bodenwelle und landen anschließend am anderen Rand. Leichtes Zischen von hinten. Gasflasche vielleicht undicht? Nein, auch das Weißbier hat den Jump unbeschadet überstanden. Lediglich ein Teil von Mareikes Nudelsalat verließ die Schüssel bei der unsanften Aktion.

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Kurz vor siebzehn Uhr, ich stelle den Motor ab. Die Kinder eilen in die Überreste der Filmkulisse. Ich ersteige eine der Dünen westlich davon. Die Stille wird nur durch das jetzt sehr entfernte Jauchzen der Kinder unterbrochen. Sanft senkt sich ein roter Feuerball in ein Bett aus schmalen stahl-grau-blauen Wolken vor einem goldgelben Sandmeer.

Siebzehn Uhr vierzig, wir treten den Heimweg an. Die Piste wurde gerade frisch geräumt und erscheint wie eine Autobahn, die GPS macht Probleme in der Stromversorgung, aber der Kutscher kennt den Weg. Das gleißende Fernlicht leuchtet das Vorfeld aus, Ifthar, kein Mensch mehr auf der Straße, alle sind beim Fastenbrechen im Kreise der Familie. Kurz nach achtzehn Uhr sind wir im Hotel.

Duschen, landfein machen und ab zum Abendessen. Neunzehn Uhr Treffpunkt in der Bar. Man sieht den Gesichtern die Strapazen des Tages an, die Stimmung ist jedoch gut, das Buffet übrigens auch.

Stefan sammelt alle Interessierten und geht ins Ali Baba Museum. Bernd, Astrid, Elke und ich führen eine kleine GPS Ausbildung durch, auch Astrid und Bernd lernen sehr schnell. Zwischendurch gibt es einen guten Wodka an Uli Stradtmanns Toyotatür. Youssef bittet uns, uns ins Gästebuch einzutragen, irgendwo wird noch ein Skorpionaufkleber aufgetan und hinzugeklebt.

Kleines Problem am Rande: Bernd und Astrid wollten das Hammam im Hotel besuchen, kalt war es und das Wasser überhaupt nicht warm, aber zehn Dinar soll es kosten. Ich spreche Youssef an, bedanke mich für die gute Unterbringung und weise auf das Hammam hin. Kein Problem, keine Leistung, keine Zahlung. Hamdullila! Stefan bringt alle tausend-und-eine-Nacht-Bummler wieder unbeschadet nach Hause, mit einer Flasche Haute Mornag beschließen wir den ersten Tag.

Sonntag, 17.01. 1999

Hektik in der Hotelhalle: Beim Ausschecken fehlt ein Badeläufer und ein Handtuch und die Hammamrechnung wird auch noch präsentiert. Ich will Youssef sprechen, der sei bereits zum Aid, dem Abschlußfest des Ramadan in Tunis, einen Vertreter gäbe es nicht. Eine hochschwangere Hotelangestellte, deren borstige Stimme überhaupt nichts mehr weibliches an sich hat, besteht auf Bezahlung.

Ich werde böse, weise auf das Gespräch mit Youssef hin und hinterlasse Adresse, Telefonnummer und Daten der Carte Séjour. Die Reise beginnt ein wenig unter den Personallücken insbesonders der verantwortlichen Hotelangestellten zu leiden.

Briefing auf dem Parkplatz, da wird noch ein Badetuch gefunden. Zunächst wieder teamweise Fahrt über den Chot el Jerid, einen der größten nordafrikanischen Salzseen und Kebili nach Douz, Treffpunkt dort an der Essotankstelle, dann Einkaufen, dann Treffpunkt am Sandbuggyplatz, dann Fahrt ins Ungewisse...

Die Fahrt über den Damm ist selbst für uns alte Hasen ein Erlebnis, die Niederschläge haben den Chott hier im Westen bis an den Rand gefüllt, er erweckt mit seinen Salzplatten den Eindruck der Ostsee bei Eisgang, dort wo er noch fest ist, drückt die Feuchtigkeit die Salzkristalle aus dem Boden. Wie mit Millionen von Glassplittern bedeckt erscheint uns die Oberfläche im Gegenlicht der Sonne.

Essotankstelle. Wir tanken unsere Autos noch mal voll, etwa 250 Kilometer Wüste liegen mit allen Unberechenbarkeiten vor uns. Stefan zückt noch einen Skorpion und klebt ihn an die Schaufensterscheibe der Tankstelle.

Douz. Metropole des Südens. Der seit etwa drei Tagen anhaltende Regen verwandelte die Straßen in ein Schlamm-und Morastbad. Nur die schmalen Gehwege, ansonsten von allen verschmäht, versprechen ein trockenes und einigermaßen sauberes Passieren der Straßen. Wir kaufen ein: Mareike und Britta werden stolze Besitzerinnen eines Berberumhangs, auf dem Markt kaufen wir alles für unser bevorstehendes Biwak: Gemüse, Fleisch, Brot.

Das Knattern der Zweitaktmotoren erfüllt den großen Sandplatz. Mitten im Gewühl unserer Gruppe steht die junge Tunesierin und kassiert für die Sandbuggyfahrten. Nicht nur Kinder, auch Väter sind begeistert. Der italienische Patron sei bis Juni in Italien, jetzt sei kaum einer da, deswegen seien auch keine Freigeländefahrten möglich. Zwölf Uhr dreißig, die letzten Carts laufen aus. Start zur Fahrt ins Ungewisse. Die direkte Strecke von Douz nach Ksar Ghillane ,durch die Ausläufer der Westsahara, des Ergs Oriental.

Kurzes Briefing zu Beginn. Wir legen noch mal die Reihenfolge fest, nunmehr fährt Klaus B. mit 2m Funk hinten, dazwischen Klaus K., Bernd mit GPS , Uli S., davor Stefan mit 2 m Funk und GPS. Uli K., Mareike und ich im Spitzenfahrzeug. Wir fahren eine Strecke, die Wolfgang von DÄRR in München im Frühjahr 1997 aufgenommen hat, seitdem haben wir die Strecke zwar mehrfach passiert, zuletzt im April 1998, doch seitdem haben Sandstürme gewütet und ein Durchstoß meines Freundes Eckhardt von der PREUSSAG scheiterte im Oktober 98.

Zunächst verläuft alles glatt über Piste, Uli "betet" die Punkte von der GPS ab, Mareike hält zu Klaus B. Verbindung über Funk: "Jerid, hier Luzi, alles dran!" Exakt beim Café neigt sich die GPS Nadel nach rechts, wir gehen auf die Nebenpiste, halten noch eine Geschwindigkeit zwischen 60 - 70 km /h. Vereinzelt taucht das sogenannte "Wellblech" auf, Riffelungen in der Fahrbahn, die zunehmend immer weiter ausgefahren werden.. Dieses reißt die Kolonne auseinander, zeitweise verlangsamen wir, Klaus achtet darauf, daß alles zusammen ist und informiert uns vorne.

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GPS Punkt 206: Hier entschloß sich Eckhardt im Oktober links zu umgehen... und mußte umdrehen. Wir picknicken, mit Becksbier, Frankfurter Würstchen und entscheiden... Durch! Ich bitte Klaus B. noch um Rat hinsichtlich des Ablassens von Luft. Er schlägt vor, auf Grund der Beschaffenheit des Sandes zunächst abzuwarten. Lediglich Bernd wir später den Luftdruck verringern müssen. Wir packen ein und fahren los, jetzt kommt es darauf an! Die erste Düne wird mit Masse und Geschwindigkeit genommen, danach wieder Piste, Uli "betet" die Punkte weiter aus der GPS ab, die Crew ist geschlossen, Klaus meldet "Alles dran!". Das Gelände wird zunehmend sandiger, ich versuche, so gut wie es geht, flache Übergänge zu nehmen. Im Anfahren unterschätze ich eine Düne, die Vorderachse kippt über den Kamm und wir hängen. Stefan kommt heran und zieht uns rückwärts raus. Wir fahren weiter,das Gelände wird zunehmend schwieriger, Uli und ich steigen aus und schauen: Da könnte es gehen...

Über Funk gibt Stefan durch: Bernd hängt. Wir lassen das Auto stehen und gehen zurück. Stefan verdeutlicht die Ursache: Mit dem entblößten Oberarm greift er in den Sand, unter der feuchten, festen Oberfläche kommt nach wenigen Zentimetern weicher, fast flüssiger Zuckersand zu Tage. Es ist wichtig, die Spur zu versetzen.

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Wir "reiten " weiter, insbesonders Bernd achtet nunmehr auf eine eigene Spur, das Gelände wird übersichtlicher und flacher, eine Piste ist jedoch nicht mehr zu erkennen. Die Punkte der GPS Liste werden zwar angefahren, sind im Gelände jedoch nicht mehr identifizierbar. Oft wird der Marschkompas zur Hilfe genommen, die Zielrichtung der GPS, die "Bearing" wird auf den Kompas übertragen, im Gelände wird der Punkt angepeilt.

Sechzehn Uhr, wir entschließen 90 Minuten vor Sonnenuntergang das Camp aufzuschlagen, in einer kleinen Senke, zwischen flachen Dünen, werden die Zeltplätze festgelegt. Unser Doppeliglo ist kaum zu beherrschen, Uli und Britta helfen beim Aufbau, schnell haben beide Ingenieure das Thema im Griff. Wir fluchen über das komplizierte Aufbauen, sind zum Schluß aber dankbar, das Zelt ist sehr gut isoliert. Es gibt keine Feuchtigkeitsprobleme.

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Die Kinder graben die Feuerstelle aus und legen ein großes Feuer an. Ein Gaskocher wird angezündet. Das Team Red baut zwischen den beiden Nissans eine große Zeltplane auf, die Feldbetten stehen darunter. Ein sehr guter Windschutz.

Die untergehende Sonne taucht die wellige Sandlandschaft in einen satten ,warmen Farbton. Ich ersteige eine der Dünen westlich vom Camp, wieder beindruckend die Stille und Einsamkeit. Die Sonne versinkt in einem Silberstreifen von Wolken am Horizont. Nur das Jauchzen der im Sand spielenden Kinder unterbricht die Stille.

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Im Camp ziehen mittlerweile leckere Gerüche durch die Zeltstadt, Bernd hat eine Keule besorgt, die auf dem Grill schmort, Elke eine Gemüsesuppe angerichtet.

Die schnell hereinbrechende Nacht ist sternenklar. Einige Meter abseits des Camps, außerhalb des Lichterscheins, sind alle Details und Sternenbilder erkennbar. Wie ein großes breites Band zieht sich die Milchstraße über die Himmelskuppe. Es ist Neumond, vorletzter Tag des Fastenmonats Ramadan.

Am Lagerfeuer kommen wir alle zusammen, es wird noch gesungen. Weit nach Mitternacht finden auch die Letzten zu Bett.

Montag, 18.01.1999

Sieben Uhr: Kinderlärmen weckt uns auf. Die Luft ist feucht. Die Sicht beträgt gerade 20 bis höchstens 50 Meter in dem Nebelmeer. Das Camp sieht aus wie ein Schlachtfeld. Schnell ist Kaffeewasser aufgesetzt, Spülwasser natürlich auch. Frühstück auf der Faust. Die Sicht wird kaum besser, heute werden wir wohl "Instrumentenflug" üben. Mit dem Marschkompas stelle ich die Abgangsrichtung fest.

Kurzes Briefing, wir werden in der bisherigen Fahrzeugfolge weiterfahren, rechnen etwa bis elf Uhr in Ksar Ghillane zu sein. Nach etwa zehn Minuten Fahrt stehen wir in schwerem Dünengelände, die Spur ist klar zu erkennen, aber ziemlich zerfahren.

In einem Zuge fahren wir durch und halten am Ende der Düne an. Über Funk kommt durch, daß Bernd hängt. Zu Fuß gehen wir zurück, in kleiner Gruppe diskutieren wir die Ursache: Der Nissan hat kaum Bodenfreiheit und ist im Geländegang zu kurz übersetzt, wir schieben das Fahrzeug mit der Hand frei. Mit Schwung und im dritten Gang schießt Bernd nun durch. Er soll kein einziges Mal auf dieser Tour mehr hängen bleiben.

Kurz vor elf Uhr. Über die Piste erreichen wir KsarGhillane, fahren verabredungsgemäß direkt zum Fort, erstmalig in einem Rutsch direkt vor das Haupttor. Zwei dort in einem Landrover campende Italiener, nein, Sarden, darauf bestehen beide, sind auf Grund dieses Überfalls überrascht. Einer wird später unser Gruppenfoto schießen. Wir wollen noch mal sandfahren. Klaus B. schlägt vor, einzelfahrzeugweise durch die Dünen zu fahren, er möchte vom Fort aus filmen.

Wir fahren zuerst, die Spur ist gut und ausgefahren, aber im ersten Drittel mit Querneigungen bis zu 20

. Ich verlasse die Spur und setze neu an, zu verdächtig hat sich der Pajero verhalten. Hohes Fahrwerk und die schwere Dachlast sorgen für einen hohen Schwerpunkt, es gibt nichts Schlimmeres, als das Fahrzeug in diesem Gelände umzukippen.

Kurz vor zwölf Uhr: Am Waldstück an der heißen Quelle sammeln wir. Ksar Ghillane ist wie ausgestorben, nur zwei deutsche Paare, die baden. Der Campingplatz ist leer. Letzter Tag im Monat Ramadan, einer der Kellner aus dem "Paradis", der Mareike und mich wiedererkannt hat, möchte zum Aidfest mit nach Sidi Bouzid genommen werden. Leider können wir nicht helfen.

Das Kamelreiten für die Kinder klappt nicht, die Kamele müßten erst über eine Stunde aus der Oase herangeführt werden. Wir entschließen uns, über die LeClercsäule nach Süden zu fahren. An der Säule noch einmal Abgleich der Karten, Bernd füllt seine Reifen mit dem Kompressor wieder auf.

Dreizehn Uhr. Wir erreichen die große Viehtränke, dort campen jetzt mehrere tunesische Familien in großen Zelten. Ein Trecker mit einem 5 Tonnen Wasseranhänger "en panne". Der Fahrer bittet uns um Hilfe, wir sollen den Trecker freiziehen, offensichtlich hat er einen Getriebeschaden. Der Pajero ruckt an, ohne Erfolg, auch zusammen mit Klaus B.s Nissan keine Chance. Stefan hebt die Deichsel des Wasseranhängers mit einem Hydraulikwagenheber. Der schwere Anhänger drückte eben so massiv auf die Kupplung, daß der Trecker sich auch keinen Milimeter bewegte, nun ist er frei.

Entgegen vorherigen Überlegungen entschließen wir uns doch zum Picknick an diesem Platz. Gegen vierzehn Uhr fahren wir weiter, wir stoßen nach wenigen Minuten auf eine Isuzu Camionette, die schwer beladen in einer Düne steckt. Schnell haben wir sie mit dem Pajero freigezogen. Die drei Mitfahrer bemühten sich mit ihren Händen das Auto freizuschaufeln. Ich bedeute ihnen, daß vor ihnen noch größere und schwierigere Dünenfelder liegen. Voller Gottvertrauen setzen sie ihre Fahrt fort. Wir nahmen an, daß sie ihr Ziel, Douz, an diesem Tag nicht mehr erreicht haben. Wahrscheinlich mußten sie in der Wüste übernachten.

Fünfzehn Uhr, das Gelände hat sich nun verändert. Keine Sanddünen mehr, fester Boden mit einzelnen Sträuchern und kleineren Stein- und Geröllfeldern. Wie von Geisterhand bewegt legt sich der GPS Anzeiger hin und her und zeigt uns den Weg durch die Steinwüste. Über Funk meldet Stefan, daß er ein Reserverad gefunden hat, Bernd hatte es verloren. Es ist bei seinem Typ so unglücklich unter dem Fahrzeug befestigt, daß die Halterung tatsächlich abriss. Bernd beseitigt nunmehr die Reste des Halters, das Reserverad wird auf Stefans Dach verladen.

Wir fahren jetzt seit geraumer Zeit Richtung Osten, nehmen die GPS Punkte nur noch als Anhalt und wollen so schnell als möglich die Pipelinepiste erreichen. Kurz vor sechzehn Uhr, in schneller Fahrt geht es über die Pipelinepiste Richtung Süden. Die Piste ist frisch präpariert, kein "Wellblech", keine Löcher. Abzweiger nach BirAmir, die bequeme Fahrt ist zu Ende, Stein- und Felsbrocken, die aus der Fahrbahn ragen. Uli S. hat eine schwache Sekunde und kommt mit seinem Toyota fast von der Fahrbahn ab. Das Kolonnefahren ermüdet alle, wir machen eine kleine Rast.

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Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir Bir Amir, die Moschee hebt sich grün erleuchtet vor dem Horizont ab. Jetzt wird der Muedzin den Aid ausrufen. Die 30 tägige Fastenzeit ist zu Ende. Die Straßen von Bir Amir sind leer, nur vor der Polizeiwache spielen einige junge Männer Fußball, sie sind so in ihr Spiel vertieft, daß sie unsere Fahrzeugkolonne nicht wahrnehmen.

Wir teilen uns wieder in die drei Teams auf und fahren jetzt über den Asphalt mit hohem Tempo nach Tatouine. Kreuzung BirAmir-Tatouine-Remada, der südlichste Punkt unserer Tour, nach rechts würde es jetzt ins Sperrgebiet gehen. Wir fahren links.

Achtzehn Uhr. In der Abenddämmerung erreichen wir Tatouine, die große Kreuzung ist jetzt mit einem überdimensionalen Globus geschmückt. Auch im Hotel Sangho scheinen wir fast die einzigen Gäste zu sein. Der Portier besteht darauf, daß Mareike und ich die "Fürstensuite" beziehen. Wir sind alle müde und zerschlagen. Nach einem guten Abendessen und einem letzten Schluck an Ulis Toyotatür gehen wir zu Bett.

Klaus B. trifft noch seine Nachbarn, tags zuvor sind sie mit ihrem Renault in einem Oued bei Sfax steckengeblieben und mußten aus dem Wasser gezogen werden, erste Vorboten des nächsten Tages.

Dienstag, 19.01. 1999

Aid el Shegir, alle Menschen sind froh, daß die lange Fastenzeit vorrüber ist. Doch an diesem hohen Familienfest will so recht keine Freude aufkommen. Das Wetter ist in einen richtigen "Schnürlregen" übergegangen. Der traditionelle Familienspaziergang an diesem Tag kann nicht stattfinden.

Böse Überraschung am Rande: Bernd und Astrid hatten einen Brand auf dem Hotelzimmer, der Heizlüfter explodierte und das ganze Zimmer war voller Ruß. Nach dem Frühstück machen wir eine Krisensitzung, angesichts des Wetters und der Information, daß es nördlich von Gabes überflutete Oueddurchfahrungen geben soll, entscheiden wir uns dafür, die geplante Ksartour ausfallen zu lassen. Außerdem wollen wir in Kolonne fahren, sollte es zu Problemen kommen, wären wir alle zusammen.

Hedi, der stellvertretende Direktor ruft für uns noch beim Gouvernorat an, nach wenigen Minuten kommt die Auskunft: Keine Verkehrsstörungen, aber nördlich von Gabes schwere Niederschläge.

Gegen neun Uhr verlassen wir Tatouine und fahren nach dem Tanken Richtung Medinine, nördlich von Gabes nimmt der Regen wieder zu. Wir haben jedoch keine Schwierigkeiten, das Straßenbett ist gut ausgebaut und hoch genug. Im Westen sehen wir, wie gewaltige Niederschlagsmengen aus den Wolken in die Berghänge herunterkommen. Gegen zwölf Uhr, letztes Picknick südlich von Kairouan. Noch einmal werden alle die leckeren Sachen aufgefahren.

Kurz vor fünfzehn Uhr an der Péage der Autobahn bei Mornag. Ziel erreicht, alle gesund angekommen. Wir werden am Abend im Chamsa Korinthia die Fahrt in einem gemütlichen Rahmen ausklingen lassen.

Neben einigen schönen Erinnerungen wird jedoch auch eine ganze Menge Arbeit auf uns zukommen. Auto und Campingmaterial wollen versorgt werden, in den nächsten Tagen werden wir das Filmmaterial zusammenschneiden, ein gemeinsamer Film- und Fotoabend ist bereits geplant.

Und sind denn alle Spuren beseitigt, die Videokasetten im Regal, die Bilder in irgendwelchen Alben eingeklebt, die Rostspuren beseitigt und die abgerissene Anhängerdose montiert, der Sand in den Ritzen von Polstern und Nähten unseres Pajeros wird noch einige Zeit von der Scorpion Trophy erzählen.

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ENDE

 

 

Roadbook der Tour