Irgendwo prägt Tunesien die Vorstellung des Offroaders immer mit Sand und Dünen. Das aber ein grosser Teil aus Gebirgszügen besteht, wissen nur Kenner. Besonders interessant ist die Berglandschaft nördlich des Chott-El-Jerid aus deren Niederschlägen die Feuchtigkeit des Chotts gespeist wird. Thomas berichtet von dieser Mountaintour, Fritz machte dazu die Bilder.
Wunder der Bergwelt
Samstag, 3. November 2001
In der Nacht hat es den ersten wirklich schweren Regen in diesem Herbst gegeben. Um 4.30 Uhr treffen wir uns mit Fritz an der Shell-Tankstelle vor Mornag. Sogleich beginnt es auch wieder zu regnen. Als wir jedoch die Autobahn bei Enfidha verlassen, ist die Fahrbahn bereits wieder trocken und langsam bricht der neue Tag an.
Hinter Kairouan klart der Himmel wunderschön auf und wir fahren froh gelaunt in den herrlichen Morgen hinein. In Mezzouna Kaffeepause und Baguette-Einkauf. In westlicher Richtung auf Gafsah zu.
In Sened-Gare verlassen wir die feste Straße und fahren südlich auf das Gebirge und das Massiv des Djebel Biada zu. Auch hier hat es vor kurzem geregnet und wir hoffen, daß die Strecke befahrbar ist. Wir erreichen die Bergkette und fahren nach Sened Djebel hoch. Wie häufig in Tunesien in nur noch schwer zugänglichen Bergregionen ist auch diese malerische Besiedlung nur noch spärlich bewohnt. Man sieht auch Höhlen an den steilen Berghängen, die als Speicher und Wohnstatt dienen. Die Bewohner leben von ein bißchen Landwirtschaft. Schafzucht und Oliven bieten ein nur noch kärglichen Lebenserwerb. Beeindruckend, wie hier an den Hängen um einzelne Olivenbäume Terrassen angelegt wurden mit Hilfe von Schichtgestein, um das kostbare Wasser einzufangen. Manche dieser steinernen Einfassungen tragen auch kunstvolle Treppchen für den Zugang zur Terrasse.
Draussen schmeckt´s am besten
Oberhalb der Ortschaft machen wir halt, picknicken und sammeln "schöne" Steine und Fossilien. Stunden könnte man verbringen mit Suchen und Sammeln. Um den Paß anschließend zu bewältigen, muß ich in die niedrigere Übersetzung gehen. Der NISSAN klettert wie eine Bergziege die Geröllpiste hoch. Das Bergpanorama ist grandios. Heil gelangen wir runter und fahren durchs Tal weiter auf Gafsah zu. In El Guetar muß ich tanken.
Danach fahren wir auf der RN 15 einige Kilometer östlich in Richtung Gabès bis wir die Landstraße 103 erreichen und auf ihr in Richtung Süden auf Kebili – Douz zufahren. Wir winden uns durch den Bergzug, der einmal mit seinem Limes die südliche Grenze der römischen Provinz Africa bildete. Reste des Limes lassen sich sogar noch ausmachen. Am Eingang zum Chott el Fedjaj befindet sich aus französischer Kolonialzeit wenige hundert Meter westlich der Landstraße ein etwas verfallenes Fort, welches wir ansteuern.
In einigem Abstand zu diesem Bauwerk schlagen wir unsere
Zelte auf, sammeln Feuerholz und machen Essen. Die Sonne verschickt ihre
letzten Strahlen über das Chott und wir sehen mit einiger Beklemmung
im Osten schweres Wetter. Aber wir haben Glück und bleiben verschont.
Das eingesammelte Brennmaterial ist mehr Reisig als Holz und so ist nicht
viel mit Lagerfeuer. Macht nichts! Wir hatten alle nur eine kurze Nacht
und so krabbeln wir früh in unsere Schlafsäcke.
Sonntag, den 4. November 2001
Mit der aufgehenden Sonne stehen auch wir auf. Der Himmel ist völlig klar. Es wird recht gemütlich Morgentoilette und Frühstück gemacht. So langsam fällt der Alltagsdruck spürbar von allen ab und die Erholung stellt sich ein. Wir schlagen unser Biwak ab und folgen von nun an der Piste am nördlichen Rand des Chott-el-Fedjaj. Es hat auch hier vor kurzem ergiebig geregnet und wir fahren ein bißchen mit der Einstellung: "Mal sehen wie weit wir kommen! Wenn es nicht mehr weitergeht, machen wir halt kehrt und fahren auf der Dammstraße über das Chott!" Aber es geht, der Matsch und Schlick bleibt immer passierbar. An einer Tränke stoßen wir auf eine größere Kamelherde, die hier "auftankt".
Vorsicht: Querverkehr
Kleine Fotosession dieses idyllischen Plätzchens. Nach ca. 11/2 Stunden passieren wir einen kleinen Nationalpark. Mittagspause machen wir zu Füßen des Marabuts Sidi Bou Hellal, einer kleinen islamischen Wallfahrtsstätte etwas bergaufwärts gelegen, wieder mit herrlicher Aussicht auf die silbrige Tiefebene, tiefe Schluchten und das umliegende wilde Bergland.
Nach dem Essen fahren wir wieder auf festen Straßen auf Chebika zu, biegen jedoch kurz zuvor (in der Nähe der Stromleitung) von der Straße nach rechts ab und fahren über Geröll nordöstlich auf die Berge zu. Wir gelangen auf eine Geröllrampe und entscheiden uns, daß wir hier kein Zelt aufschlagen können. Also zurück in die Ebene. In der Nähe eines trocken gelaufenen Bachbetts finden wir eine adäquate Lagerstätte auf sandigem Untergrund.
Jetzt schon fast Routine: Aufschlagen des Camps, Feuerholzsuchen und Essen. Ein frisch geschlagener und von mir fachgerecht zerkleinerter Dornbusch will und will nicht brennen, obwohl wir mit einer dicken Diesellunte nachhelfen. Mir kommt der Gedanke, daß der brennende Dornbusch, in dem Gott dem Moses erscheint, insofern eigentlich ein doppeltes Wunder ist.
Verdiente Ruhe nach langer Fahrt
Montag, den 5. November
Ich genieße das Aufstehen mit er aufgehenden Sonne. Als wir aufbrechen, sind wir sogleich wieder auf dem Geröll. Fritz hat uns erklärt, er möchte möglichst eng an den Hängen der Berge in östlicher Richtung weiterfahren, bis wir an den Aufstieg gelangen, wo wir dann auf die Höhen wollen. Mit ist echt mulmig zumute. Das Geröll ist zwar problemlos zu befahren, aber furchtbar scharfkantig und überall lauern diese Büsche mit den bösartigen Dornen, an denen man sich so richtig schön die Reifen durchstechen kann. Es ist eigentlich unmöglich, jedem vermeintlichen Hindernis ausweichen zu wollen, man kann nur auf den Schutzengel hoffen. Der fährt offenbar mit. Im Zickzack fahren wir wie auf Eiern über das Gelände, vorbei an kleineren Gehöften und auch einmal an einer Oase. Schließlich erreichen wir eine Piste und ich bin ganz erleichtert. Nach wenigen Kilometern in einer fast menschenleeren Ortschaft biegen wir nordwärts nach links ab und es geht stracks auf die Berge zu. Die Piste wird zur Straße, die Strecke muß strategische Bedeutung haben.
Viva la libertas: Die Freiheit des Offroaders
Wir winden uns jetzt steil nach oben zwischen diesen scharfkantigen Hängen, die ganz amorph sind. Irgendwann ein Militärdenkmal. Scharf reckt auf einem hohen Podest ein uniformierter Arm ein Gewehr in den Himmel. Das ganze erinnert an Militärrevolution, Kuba, Guinea oder sonst was heldenhaftes. Ganz oben angelangt machen wir Halt und genießen die schöne Aussicht auf das umliegende Bergland und das unter uns liegende Chott.
Bald gelangen wir nach Redeyeff. Es ist eine kleines, häßliches Städtchen, das vom Phosphatabbau lebt und sich jetzt für den Nationalfeiertag, der übermorgen sein wird, fein gemacht hat. Wir versorgen uns mit Wasser, Brot, Eiern, Gemüse und Obst und entsorgen unseren Abfall. Fritz führt uns sodann auf eine etwas östlich gelegene Piste, auf der es dann genau so malerisch wieder abwärts geht. An einem besonders hübschen Aussichtsplätzchen machen wir Mittagsrast.
Die steil abwärts führende Strecke ist hier mit Betonplatten belegt, etwas ungewöhnlich in Tunesien. Die Straße wurde von Rommels Armee angelegt und ist passabel erhalten. Lange Gräben an den steilen Hängen erwecken unsere Aufmerksamkeit. Wir halten an, kraxeln zu den Gräben hinauf. Hier wurde systematisch nach Fossilien gegraben, Bohrschnecken, Austern und sonstiges Meeresgetier. Kaum zu glauben, daß hier einmal vor Zeiten ein Meer existierte, dessen Spuren sich heute auf mehreren hundert Meter Höhe an diesen Steilhängen abgelagert haben.
In der Ebene angelangt fahren wir auf der Piste weiter östlich auf Metlaoui zu. Wir passieren eine Absperrung und nach einiger Zeit, als wir einige schrottige Panzer sehen, wird uns klar, daß wir uns auf Militärgelände bewegen. Hier wird noch scharf geschossen, Munitionsreste und Einschüsse in dem armierten Metalkoloss beweisen es. Am späten Nachmittag gelangen wir kurz vor Metlaoui an den Eingang zur Seldja-Schlucht. Der freundliche Parkwächter, der uns mit Tee begrüßt, weist uns ein schönes Plätzchen zum Aufschlagen unseres Biwaks zu. Heute Abend haben wir dank gutem Feuerholz sogar ein richtig schönes Lagerfeuer.
Dienstag, den 6. November 2001
Wir erkunden heute morgen zu Fuß mit dem Parkwächter entlang der Bahnschienen die Seldja-Schlucht. Die Bahn wurde für den Abbau und den Transport von Phosphat angelegt. Hier fährt auch der Lézard Rouge, der Salonzug für die Touristen entlang, aber wir erkunden die Felsschlucht zu Fuß.
In God´s own country....
Von Metlaoui fahren wir wieder in die Berge hoch. Wir fahren zwischen riesigen Phosphathalden hindurch und hinauf, wieder über Redeyeff nach Mides. Wir sind hier am westlichsten Punkt unserer Reise, an der algerischen Grenze angelangt. Der Oasenort ist fast ringsum von tiefen Canyons umgeben, in früheren Zeiten uneinnehmbar. Aber die Zurückgezogenheit ist eben auch ein wirtschaftlicher Nachteil und so ist der alte Ort heute völlig verlassen und dem Verfall anheimgefallen. Es sind kaum Touristen hier, ganz anders als noch im April, als ich zuletzt hier war. Erste Anzeichen eines zurückgehenden Tourismus?
Anschließend in Tamerza ein ähnliches Bild. Auch hier an der Oase sind wir ziemlich unter uns. Nach dem Essen erkunden wir den Wasserfall und den Canyon, der sich abenteuerlich auf ca. 200 Metern Länge quer zum Flußlauf schlängelt.
Fritz hat sich den Magen verkorkst. Er schlägt vor, nach Tozeur zu fahren, um sich dort in seinem "Stammhotel" etwas auszukurieren. So fahren wir in die Oasenstadt und bleiben dort im gastlichen "Ras El Aïd". Schade nur, daß das Hammam nicht heiß genug dampft, daß man so richtig schön ins schwitzen kommt.
Mittwoch, den 7. November 2001
Es ist Nationalfeiertag in Tunesien. Klaus und ich müssen heute nach Tunis zurück, Fritz und Familie werden noch einige Tage auf Djerba ausspannen. Als wir uns um 8.00 Uhr auf den Weg machen, sind die Straßen so gut wie leer. Es geht dann sehr, sehr flott und mittags um 13.30 sind wir bereits zu Hause.
Fazit:
Obwohl nicht sehr tief in den Süden eingetaucht,
waren wir - für uns sehr wohltuend - meistenteils alleine. Die Abwechslung
von Bergland und Chottlandschaft war sehr anregend. Der Erholungswert war
dank der hervorragenden Tourenvorbereitung von Fritz und ausreichend Gelegenheit
zu Stopps und Rasten besonders hoch. Insgesamt also eine sehr empfehlenswerte
Strecke!
Zeitraum: 3.11. bis 7.11.2001
Strecke: Tunis – Mezzouna – Sened-Djebel – nördliches Chottgebiet – Redeyeff – nördliches Chottgebiet – Seldja-Schlucht – Mides – Tamerza – Tozeur – Tunis
Mitsubishi L 200: Fritz Patzelt mit Familie Salua und Sabri
Nissan Patrol : Thomas Petereit und Klaus Burkert