2500 Kilometer mit dem Jeep durch Marokko
von Bernhard Nährig
Der Originalartikel wurde in Englisch für die California 4 Wheel Drive Assosciation geschrieben.
übersetzt von Felix Transfeld

Wie verwöhnst Du Deinen Jeep und Dich?

Nun ja, du verlässt den Asphalt und tauchst in eine ganz andere Welt.

Nimm zum Beispiel Marokko – das ist Exotik pur, ein Märchen aus Farbe, Licht und Gerüchen, ein Land was alle Landschaften und Kulturen vereinigt, vom Hochgebirge bis in die Wüste.

Um Marokko zu geniessen, muss man sich extremen Gegensätzen aussetzen.

Bizarre Bergwelten bilden einen Kontrast zu saftigen Tälern, überfüllte Bazare oder die belebte Jema-en-Fna in Marrakesch stehen im Widerspruch zu den den endlosen Steinwüsten und bedrohlichen Sanddünen im Südosten des Landes nahe Merzouga.

All dieses, besonders aber der Spass an Offroadfahren und Outdoorleben, brachte unsere Freunde und uns im März 1999 dazu dreieinhalb Wochen mit unserem Serien Jeep Cherokee Turbo Diesel in Nordafrika zu verbringen.

Das erforderte jedoch das unser "Ladenmodell" etwas modifiziert werden musste. Unter Erwägung, das die Zuladung fast 550 kg betrug, ersetzten wir die hinteren Stossdämpfer durch die sogenannten Airshocks vom Rancho; durch unseren deutschen Jeephändler besorgten wir uns die Original Unterboden- und Tankschutz- ausstattungen der US- Version und bauten diese ein.

Das Fahrzeug wurde ebenso mit BF Goodrich Schlammreifen ausgestattet um die Geröll- und Steinstrecken zu meistern.

Ein Beduine nannte unseren Cherokee "Desert Scorpion"

Nun hockt unser "Desert Scorpion" ein wenig stolz auf einem Old Man EMU Schwerlast Fahrgestell mit Carbondämpfern und 100% iger hinterer Differentialsperre.

Diese Tour spukte uns schon einige Zeit im Kopf herum und im Vorhinein scannten wir Kartenmaterial in den Rechner ein und planten unsere Routen mit entsprechender Software. Die wesentlichsten Informationen speicherten wir in unserer GPS, dieses erlaubte uns später grösstenteils eine Orientierung ausschliesslich mit diesem Hilfsmittel..

In den frühen Morgenstunden des 25. März waren wir fertig zur Abfahrt. Erst jedoch mussten wir noch das Dachzelt montieren und die Ausrüstung packen (Bergegurte, Klappspaten, Ersatzteile, Kompressor, Wasser und Dieselkanister, Küchenausstattung, Lebensmittelvorräte, Bekleidung. Wir waren dankbar, das der Jeep so viel Stauraum hattte, nachdem die Rücksitze demontiert wurden)

Zunächst mussten wir 2200 km Autobahn aus Süddeutschland durch Frankreich und Spanien nach Almeria fahren. Wir schafften das in zwei Tagen mit einer Übernachtung in Perpignan.

Nach der ersten Nacht in unserem Dachzelt auf einem kleinen Campingplatz zwischen Almeria und Aquaduce checkten wir auf der Fähre "Scirocco" ein, natürlich im Voraus reserviert, an einem schönen Sonntagmorgen unter blauem Himmel.

Mit Wahl der Fähre nach Nador wollten wir eine weitere anstrengende Etappe nach Gibraltar vermeiden. Ebenso wollten wir die Einreiseformalitäten verkürzen, da diese bereits auf der Fähre erledigt werden konnten.

Wir konnten nicht ahnen, das unsere Überfahrt mit Windstärke 7 und allen übelen Konsequenzen stattfand.
Aber irgendwie überlebten wir das auch und erreichten um 21 Uhr Lokalzeit das Land unserer Träume, allerdings noch mit einer Stunde Organisationszeit für die Zollformalitäten unserer beiden Jeeps.

Wir verliessen Nador bei Nacht und fuhren auf der Landstrasse noch einige Kilometer südwärts. Geschützt von einer Kakteenhecke bauten wir unsere Dachzelte für die Nacht auf.Eine Ziegenherde weckte uns am nächsten Morgen auf, als sie unsere Fahrzeuge passierte.Nach einem kurzen Frühstück reisten wir los, auf einer ziemlich buckeligen Strasse, die oft kaum als Strasse zu erkennen war, kilometerlang über ein verlassenenes Hochplateau und ein Trockenflussbett zum Wadi Ziz.

Im Wadi Ziz




Unterwegs luden wir Feuerholz: In den Dünen von Meerzouga sind wir später froh gewesen, diese Vorbereitungen getroffen zu haben. Unsere Strecke führte uns zu den "blauen Wassern" von Meski und dem Dörfchen Erfoud, dem "Tor zur Wüste", wo wir unsere Vorräte auffüllten.Von hier ging es Richtung Merzouga, in die nördlichen Ausläufer der Sahara.

Begegnung an der Piste


 
 

Wir begegneten nicht nur Dromedaren entlang der Strecke, wir bestaunten auch die gigantischen Sanddünen und versanken in ihrem weichen Sand, nicht ohne zuvor den Luftdruck auf 1,5 bar heruntergelassen zu haben.
Bald fanden wir heraus, das Schaufeln nicht all zu viel Spass bereitet und so waren wir über unsere Winde an der Stossstange sehr glücklich, die uns oft half.
Nach einer kalten sternenklaren Nacht am Lagerfeuer mussten wir unsere Kompressoren am nächsten Morgen einsetzen. Nachdem der Reifendruck dann passte ging es weiter in Richtung Zagora. Auf einer Piste, die nirgendwo verzeichnet war, dicht an der algerischen Grenze, nur auf unser GPS vertrauend ging es über eine endlose Steinwüste. Immer wieder mussten wir Trockenwadis queren und eine befahrbare Strecke durch das mit spitzen Steinen übersäte Gelände suchen. Plötzlich verwandelte sich der blaue Himmel in ein gelbliches Grau – Sandsturm! Gottsei-Dank nur ein kleinerer.(Wir hätten nicht einen grösseren erfahren wollen) Zwei Tage später ereichten wir Zagora. Eine Oase voller Palmen am Ufer der Dräa, in der Vergangenheit ein Zwischenpunkt der Karawanenstrassen , wie das Schild "In 52 Tagen nach Timbouctou" beweist.
 
 

"52 Tage nach Timbouctou", aber nicht im Auto

Heute ist die Oase einer der Hauptgarnisonen der marokanischen Armee. Ein Tag Ruhe vor Fortsetzung der Tour durch das Wadi Dräa und dann die Durchquerungder Wüste des Djebel Sarrho mit Aufstieg zum Tiz-n-Tazert Pass auf 2200 m Höhe und Abstieg zur Schlucht von Dades und Todhra...
A propos Zagora: Von dieser Oase aus eroberten die Sa´dier zunächst die Region Souss und dann ganz Marokko. Von Zagora aus, wo die Natur mit Palmen voller gelber Datteln und blühenden Laubbäumen im Dräatal die Wüste besiegte, kann man faszinierende Exkursionen unternehmen. Leider war diesmal die Zeit ein wenig knapp.

Tamegroute ist nicht weit: Hier kann man die berühmten mit berühmten Moscheen bewundern , mit ihren blauen Ziegeldächern und den weissen Minaretten, dem einflussreichen Medresse und der berühmten Bibliothek aus dem 17. Jahrhundert mit wunderschön illustrierten Ausgaben des Korans.
Nicht nur Sand und Dünen gibt es.
Mhamid,das Tor zur Wüste, ist für seinen farbenfrohen Markt an Montagen bekannt. Mit Mhamid el Ghouziane, dem Gazelleplateau, nimmt ein riesiges Hochplateau seinen Ursprung in der Hamada der Dräa. Nur Sand, heisser Sand, so weit das Auge reicht.

Dünen, vom Wind geformt, so hoch wie Minarette, jede anders in Form und Farbe.

Die Wüste fasziniert, grossartig und grenzenlos; am Beginn immer Sand, Wind und Sonne, vereint mit dem Ziel Unendlichkeit zu schaffen.

Auf unserer nächsten Tour würden wir gerne die 154 Kilometer durch die Dünen und Tamarisken am Djebel Bani durch die Wadis fahren.
Durch die tiefen Canyons zum sagenumwobenen Oum Lala, einer heiligen Quelle, dann zum Dayet Chegaga- einem See, der nur zu einigen Zeiten Wasser hat, wie auch der Lac Iriki.
Diesen See würden wir gerne überqueren zu den südlicheren Dünen des M"Hazil und dort biwakieren. Vielleicht könnten wir dort auch einen Wüstenfuchs sehen.

Am Tiz-n-Tazert Pass

Zurrück zu unserer Tour, nach Überquerung des bizarren Djebel Sarrho ging es nun in die Schluchten von Dades und Todra. In dieser zerklüfftenen Region werden die Dörfer in der Farbe eins mit dem umliegenden Felsgelände: Purpur, rot oder hellgelb, abhängig vom Sonnenstand.

In der Thodra Schlucht

Die Piste wird nun schmal, verengt sich zu einem Pfad .Sie überquert die Dades mehrere Male und steigt in Serpentinen in eine schwindelnde Höhe von 2800 m Höhe in eine verlassene, staubige Bergregion. Über eine sehr schlechte Strecke steigen wir sehr langsam ab zum Tal der Thodra.


Enge Thodraschlucht

Auf schlechtem Weg mit tiefen Rillen im Steinbett der Thodra geht es durch den Canyon nach Tinehir, einer alten Festung inmitten einer riesigen Palmoase.


Festung Tinehir

Am folgenden Tag geht es weiter in Richtung Quarzazate. Auf Grund von Dreharbeiten für einen Film konnten wir die Kasbah von Taourit leider nicht besichtigen.
Also nahmen wir einen Umweg über Ait Benhaddou, wo wir das Ksar, eine befestigte Anlage, besuchten,
eine Ansammlung von Häusern, Türmen und Lagerräumen. Ein alter Berberturm über dem anderem, ein einziges Tor führt in die Stadt. Darin eine wundersame Mischung von engen Strassen, Steinstufen und dunkelen Gassen.


Ait Benhaddou

Über den 2800 m hohen Tizi-n-Tichka Pass überquerten wir den Hohen Atlas und erreichten Marrakesch.

Marrakesch gab Marokko seinen Namen und symbolisiert den Zauber dieses Landes. Es ist ein Juwel am Fusse des Hohen Atlas. Wir benötigten mehrere Stunden um eine Hotelunterkunft zu bekommen. Ganze Horden von Touristen besuchten in organisierten Busreisen die sogenannten königlichen Städte. Schliesslich fanden wir ein Plätzchen in einem 5 Sterne Hotel.
Aber nach so vielen Wildcamper Nächten hatten wir uns das verdient. Am Abend bummelten wir über die Jemaa -el- Fna wo allerlei Sänger, Tänzer, Märchenerzähler, Medizinmänner und Orangensaftverkäufer ein einzigartig irreales Schauspiel boten.

Öllampen erleuchteten die kleinen Restaurants, die Sterne blinkten am Himmel, die milde Luft war voll des Geruchs von gebratenem Fleisch und Cous-Cous. Dicht bei der Medina setzte sich das Schauspiel fort. Ein Hochgenuss marokkanischer Farben, Klänge und Gerüche bot sich uns dar.

Dann führte uns die Reise nach Casablanca und Tanger.

Unser Lagerplatz in der Dades Schlucht

Ein letztesmal übernachteten wir an der Küste des Atlantiks und fuhren dann von Tanger nach Ceuta um die Fähre nach Algeceiras zu nehmen. Diesesmal brauchte der Zoll nicht mehr als eine Stunde. So kam unser kleines Abenteuer zu einem glücklichen Ende. Alles klappte gut, keine Pannen, keine Probleme. Im April 2001 möchten wir wieder gerne nach Marokko, vielleicht sogar Mauretanien oder den Grossen Erg an der tunesisch-lybischen Grenze. Wir werden sehen.