von Erika und Felix

Wasserdurchfahrt
Urwald in Tunesien gibt´s nicht? Gibt´s doch, die Skorpione haben es ausprobiert. Vom Karfreitag, dem 13.04. bis zum Ostermontag, dem 16.04. zog man wieder auf Expedition in eine der schönsten Regionen Tunesiens, den wilden Norden zwischen Cap Blanc, Cap Negro, Tabarka und Ain Dram.
Die Vorbereitung der Tour war langfristig angelegt, schon im Februar stand das Programm in großen und ganzen fest und war den Mitgliedern und Interessenten geschickt wurden. Es hatten sich sogar eine Familie aus Sankt Petersburg und zwei Familien aus Deutschland angemeldet. Aber leider die Arbeit, die Arbeit und die Arbeit hatte einige davon Abstand nehmen lassen müssen.
Zu der Tourenplanung gehörte auch eine Vortour, die durch die Tourenplaner Fritz und Erika, sowie mit Unterstützung von Uwe und Peter, ein Wochenende vorher im Gelände mit einschließlich Besichtigung der Übernachtungsmöglichkeit auf dem Campingplatz Shirin stattfand. Durch die gute Organisation auch von Seiten Salauhds und das Team der eingespielten gelände- und ortskundigen Teilnehmern konnte trotz Ausfall unseres Nordtunesienexperten Fritz die Tour erfolgreich stattfinden. Das auf der Vortour erstellte Roadbook und die Spezialkarten, die Fritz aus dem Internet gezogen hatte, trugen ebenfalls dazu bei. Der Wetterbericht aus dem Internet von Karfreitag bis Ostermontag bestärkte uns, dass wir nicht wie in Deutschland mit Schnee zu rechnen hatten, sondern nur etwas "Kühle" am Tag von Minimum 10-15 Grad und eine Abkühlung in der Nacht auch in den Bergen nicht unter 5 Grad. Da wir feste Unterkünfte gebucht hatten und zur Not unsere Schlafsäcke mithatten ,war die Stimmung gut.
Am Freitag trafen sich dann alle am nördlichsten Punkt von Afrika dem CAP BLANC bei Bizerte. Das Wetter war allerdings etwas Tunesien-untypisch. Wolken, Wind, und etwas Regen.
Fast pünktlich gegen 11:00 ging es dann auch in westlicher Richtung im Zuge einer alten, noch vom Afrikakorps gebauten Bunkerverbindungspiste los. Diese Piste, die sich durch Kiefernhaine schlängelte, sah man die Spuren der Zeit deutlich an. Einige Verwaschungen machten deutlich: Hier haben normale PKW schon Schwierigkeiten.
Einzelne Aussichtspunkte im Zuge von Hügeln boten einen grandiosen Blick auf das Mittelmeer und sehr einsame Strände hier. Das tiefe Grün der Wälder und das weiß-blau schäumende Meer boten einen attraktiven Kontrast zu den knallroten Pajero von Felix (Na, schon wieder erkannt?) mit der Internetanschrift ("falls wir uns verfahren sollten"). In Höhe von BISHATIR ging es dann zunächst wieder weg von der Küste, über teilweise tief ausgeschnittene Waldwege erklommen wir die Höhen des DJEBEL ZOUKAR , in AL GARN ging es an den Strand mit wunderschöner Felskulisse. Bei einer Fahrt über dem Kamm des DJEBEL GHOZLAN konnte man wieder die Schönheit des Meeres bewundern.
Mittelmeer bei Cap Serrat
Zurück auf der Strasse Bizerte-Tabarka (RN 51) folgten wir nach
kurzer Zeit der Ausschilderung CAMPING-HOTEL - 11 km und erlebten da erst
das eigentliche Flair der Tour: Regenwald pur. Ausgewaschene rotbraune
Schlammpisten, Dichtungen des Waldes mit Wolken über den Baumspitzen,
wie der Regenwald in Brasilien.
Am Strand ein kleines Campingplatz-Palmhütten- Hotel, neu...
Wir haben nicht nur die Cafémaschine eingeweiht, sondern den
ganzen Komplex. Test-Ergebnis: Ganz nett, am Service muss noch gefeilt
werden.
Samstags ging es über CAP SERRAT , dort ausgedehntes Boolspiel und Picknick wieder in den Regenwald mit Schluchten, tiefen Wäldern, ausgedehnten Pfützen und tiefausgespurten Wegen, anstatt der Piste im Übergang auf den Asphalt nach SEJANE zu folgen, gings rechts ab auf ein ausgedehntes System von Waldwegen Richtung CAP NEGRO, erst kurz vor T erreichten wir wieder den Asphalt Richtung TABARKA. Die Nebenstrecke war jedenfalls viel interessanter, als die direkte Verbindung nach Sejane. Auf der Asphaltstraße ging es dann nach AIN DRAHAM, wo im Hotel Nour el Ain für zwei Nächte die Zimmer gebucht waren. Da wir noch bei Tageslicht ankamen, konnten wir auch die Serpentinfahrt von Tabarka nach Ain Draham und die Ausblicke genießen, denn im Dunkeln kann man durchaus mit Kamikazefahrern Bekanntschaft schließen. Die Auffahrt zum Hotel, was über Ain Draham liegt, ist wie vieles in Tunesien etwas versteckt. (Es ist die zweite Abbiegung nach Rechts zu den "Ruinen") Wir waren recht zufrieden mit dem Hotel, der Service war zuvorkommend, das Abendbrot schmeckte, und die Zimmer wurden abends geheizt. Nur Uwe hatte leider Pech, ein windfreundliches und windgelüftetes Zimmer zwang ihn zum nochmaligen Umzug.
Fotohalt am Gebirgskamm
Am Ostersonntag waren zwei Programme zur Auswahl vorgesehen. Die Osterwanderung und Ostereiersuche in den Korkeichenwäldern oder die Besichtigungstagestour zu den Ausgrabungsstätten CHEMTOU und BULLA-REGIA. Da das Hotel recht zentral liegt, muss man nicht die Besichtigung mit der Rückfahrt nach Tunis verbinden und in Tunis bei Dunkelheit ankommen. Aber der Wunsch stimmt manchmal mit der Realität nicht überein. Fast alle Teilnehmer arbeiten in Tunesien und Ostermontag ist nun mal kein Feiertag hier und viele Arbeitgeber konnten ihnen nur mit Karfreitag entgegengekommen. Also, was soll man machen, wenn die Arbeit ruft, man macht das Beste daraus und fährt eben Ostersontag über die Ausgrabungsstätten nach Tunis zurück.
Beide Teams hatten einen schönen Tag. Das erste Team genoss die Korkeichen beim Hotel Les Chenes, die mit ihrem Moos und Farnbewuchs etwas urwaldartiges an sich hatten. Die Wanderwege erinnern etwas an kleine Rinnsaale und Bachläufe, aber wer die französischen Wanderwege kennt, weiß das er richtig ist! Festes Schuhwerk ist angebracht. Nach über 3 Stunden mit Picknick waren wir alle von den 2 Tagen Off-Roadfahren erholt. Nachmittags wurden von diesem Team noch weitere Wanderwege erkundet, die direkt von unserem Hotel in Richtung "Ruinen" abgehen und der Besuch des hoteleigenen Swimmingpools trug auch zum Wohlfühlen bei. Abends gab es ein tolles Büffet und Wildschweinbraten und am Kaminfeuer in der Hotelhalle wurde dieser schöne und erlebnisreiche Tag abgeschlossen.

Das zweite Team widmete sich der Archäologie. Die Mosaike von Bulla Regia haben nicht nur die Tunesienneulinge in ihren Bann gezogen. Das Museum in CHEMTOU, welches nicht nur einen Überblick über die Marmorvorkommen im Mittelmeer, der Marmorarten, der Gewinnung und Verarbeitung und der ersten "Fabrika", der ersten Marmorverarbeitungsfabrik der Römer in Tunesien berichtet, ist auch einen Besuch wert. Die Überreste der römischen Marmorbrüche in der Nähe des Museums hatte das Sammelfieber einiger Teilnehmer geweckt. Danach wurde unser traditionelle Oster-Picknick unter dem altem Baum zu sich genommen. Zum Osterschmaus gehörte nicht nur Ostereier sondern auch eine tunesische Eier- Petersilien und- Truthahn Tarjin. Danach ging es leider für den Großteil dieser Gruppe nach Tunis. Felix hat diese Teilnehmer aber bei sich zu Hause mit einem zünftigen tunesischen Schnellgericht beglückt und somit auch für sie für einen angenehmen Abschluss gesorgt. So ist eben Felix!

Am Ostermontag ging es von Ain Draham in Richtung Jendouba zum Stausee Beni M´ Tir (Abzweigung Beni M´Tir nach links) und weiter an den Hängen der Korkeichenwälder auf Wirtschaftwegen der Straße Richtung Bou Salem entgegen. Die einstündige Fahrt durch die gepflegten Korkeichenwälder mit Weidewirtschaft und die tollen Ausblicke in die Täler, ohne Ansiedlungen zu nahe zu kommen hat uns großen Spaß gemacht. Auch hier ist ein Geländewagen angeraten. Die Ziegen und Schafweiden mit den Lämmern und kleinen Ziegen erinnerten uns daran, dass Ostern ist. Nach dieser Fahrt kamen wir plötzlich auf eine neue Straße und waren schon hinter Bou Salem in Richtung Beja. Auf dieser neuen Straße konnten wir die beeindruckenden grünen und grau gefalteten und verwitterten Berghügel des verlängerten Tell- Atlas genießen. In Beja fuhren wir auf die N6 in Richtung Tunis. Um 4 Uhr Nachmittags waren wir in Tunis angekommen und ich habe erholt in meinem Garten die wohlverdiente Tasse Kaffee genossen. Das größte Kompliment zur Tour erhielt Erika von ihrem Sohn, er fragte sie, wann wir die nächste Tour organisieren. Denn bei der Vortour war er demonstrativ zu Hause geblieben, "da wir ja sowieso nur Kilometer schrubben". (In 4 Tagen- 400 Kilometer, fand jedenfalls nicht sein Missfallen, ansonsten haben wir bei anderen Touren durchaus über 2000 km "geschrubbt".) Das Foto vom letzten Jahr zu Ostern "Esel auf blaublühenden Feld" konnten wir leider nicht wiederholen. Aber vielleicht finden Sie das Fotomotiv nächstes Jahr zu Ostern!
Resumée: Eine tolle Tour, und ein echter Tipp gerade für Offroader gerade im Hochsommer. Der Strand lädt immer wieder ein. Und warum sollte man eine Wüstentour nicht mit einem Badeurlaub, Besichtigungstour von Archäologischen Stätten bereichern, und die stark befahrene N 1 oder N 2 in Richtung Gabes oder Sfax die kalte Schulter zeigen und über den Norden von Tunis Bizerte - Tabarka- Ain Draham - Bulla Regia - Le Kef Kasserine Gafsa nach Degache zum Chott- el Jerid in die Wüste fahren oder nach dem Wüstenkoller zur Abkühlung in den Norden fahren. (4-5 Tage sollte man dafür mit Zwischenstopps mindestens einplanen.)
Roadbook der Regenwaldtour
Die Strecke von Cap BLANC bis zum Campingplatz vor CAP SERRAT
Die WP 09 11 sind nicht vergeben
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