Sonntag, 04.02., Flughafen Frankfurt. Take-Off Richtung
Sanaa, über Ex Jugoslawien ging es zunächst Richtung Kairo. Die
Spitzen des Balkans ragten aus einem wogenden Wolkenmeer hervor, ein wunderschöner
Anblick mit der im Westen dann untergehenden Sonne. Gegen 20 Uhr Anflug
auf Kairo, eine riesige Stadt. Auch im Dunkeln konnte man den Nil, der
sich durch die Stadt windet, gut erkennen. Zwischenlandung und-stop auf
dem Flughafen für ca. 40 Minuten mit kompletten Crewwechsel. Die alte
Crew fliegt wieder zurück, die neue pendelt zwischen Sanaa und Kairo.
Start und Flug auf das Rote Meer, vereinzelt sind Siedlungen in Saudi-Arabien
an der Küste und im Gebirge zu erkennen, gen Mitternacht Endanflug
auf Sanaa, nicht ganz einfach , denn Sanaa liegt 2600 m hoch.
Damit wird die Sinkflugphase und das Eindrehen ziemlich
kurz, der neue Airport liegt allerdings ausserhalb der City, damit auch
ausserhalb der beiden markanten Bergrücken, die Sanaa umschliessen.
Nach der Begrüssung durch unsere jemenetischen Kollegen
Fahrt zum Hotel.
Impossanter Eindruck am nächsten Morgen: Sonnenschein,
blauer Himmel und die Kulisse der Altstadt von Sanaa aus dem Hotelzimmer
entdeckt. Erste Fahrt durch Sanaa, diesmal belebt. Hunderte von Menschen
auf den Strassen, Männer in traditionellen Gewändern, mit der
Dschambia, dem traditionellen Krummdolch, hinter dem Gürtel, wenige
Frauen, tief verschleiert. Ein Autoverkehr wie ein Hexenkessel ohne feste
Regeln. Wir fahren an eine Kreuzung, der Fahrer betätigt die Zentralverriegelung.
Vorsichtsmassnahme? Kinder versuchen ihre Waren, Schwämme, Zigaretten,
Feuerzeuge feilzubieten. Wir erreichen Hadra, Ausländerwohnviertel
und Residenzenquartier. Es ist ruhiger, die Strassen sind mit Betonblocks
versehen, wie in Nordirland. Später erfahre ich, das auch hier der
Einsatz von Autobomben zur Durchsetzung politischer Ziele gang und gebe
ist.
Erste Gelegenheit die Medina zu besuchen. Auffällig
das breite Angebot traditioneller Handarbeiten in Silber, von Schattullen
bis zu sehr aufwendigen Dschambias. Ein Besuch im Gewürzesouk, malerisch
wie im Mittelalter die Berge von duftenden Gewürzen und Kräutern.
Nur Männer verkaufen und auch nur Männer kaufen, mit Ausnahme
weniger Touristinnen sind keine Frauen zu sehen.
Im Innenhof einer alten Karawanserei: Säcke von
frischem jemenitischen Kaffee, und was ganz spezielles:
Zerschrotene Kaffeebohnenschalen aus denen ein Getränk
gebraut wird, was vor allem die jemenitischen Frauen schätzen, mit
Kardamon angesetzt, ein sehr milder Trank, der an dünnen Kaffee erinnert.
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Wieder auf der Strasse: Ein Händler lässt uns
geröstete Erbsen probieren, der typische süsse Erbsengeschmack
erfährt durch das Rösten eine Aufwertung, dieser
Snack liesse sich auch schön nebenher beim Fernsehen konsumieren.
Weiter unterwegs durch die Medina, immer wieder auffallend,
einzelne Waffen in den Auslagen der Händler,
nicht nur die schön antik beschlagenen Vorderlader
aus orientalischer Produktion ,auch englische Armeerevolver;
eine Luger 08....
Wir erreichen den Rand der Medina, ein Stadttor mit einem
grossen Holztor, ein Teil der Stadtmauer, restauriert,
in sehr gutem Zustand. Auf einer Cafeterasse, Eisenkonstruktion
mit wackeliger Treppe, geniessen wir in der untergehenden Sonne einen "Shay
Achmar", einen schwarzen Tee.
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Am nächsten Morgen bereiten wir mit unseren jemenitischen
Partnern das Projekt vor. Mittags ein ganz anderer
Eindruck. Besuch und Mittagessen im russischen Club von
Sanaa. Viele Russen sind aus der Zeit der Sowjetunion noch hängengeblieben,
andere dazugekommen. Russisch scheint auch als Fremdsprache in Sanaa
Englisch den Platz abzukaufen. Auf jeden Fall werden
wir von symphatischen Russinnen mit Borscht und Wodka verwöhnt. Am
Nachmittag in der Wohnung eines deutschen Freundes in Hadra. Zweimal ein
knatterndes Geräusch, ich erkenne es sofort. Eine Schnellfeuerwaffe...
Wahrscheinlich wurde aus einem vorbeifahrenden Pickup nur ein Freudenfeuer
veranstaltet.
Am nächsten Nachmittag Fahrt in das 20 km nördlich
liegende Kaukaban, jene legendäre Felssiedlung in denen während
des Revolutionskrieges in den 60ern jemenitische Bergkrieger einer ägyptischen
Belagerung trotz Luftangriffen und Artilleriebeschuss standhielten, das
Dorf macht den Eindruck eines Adlerhorstes; auf einem kleinen Felsplateau
ca. 300 m über einer Hochebene, eng gedrängt die Häuser,
schroff steil der Abgrund ins vermeintliche Nichts. Jemenitische Jungmänner
fûhren einen Dschambiatanz auf, kunstvoll schwingen sie ihre Dolche
über den Köpfen und führen zur Musik der Trommeln geschmeidige
Bewegungen aus.
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Traditionelles Mittagessen in einem Maffrasch, einer der
typisch jemenitischen Sitzgruppen. Essen vom Boden mit den Fingern, die
köstlichen Dinge wollen nicht ausgehen, unsere Gruppe sieht sich der
doppelten Verpflegungsmenge gegenüber.... Traditionelle arabische
Gastfreundschaft, nichts wäre peinlicher,als wenn zwischendurch etwas
ausgeht...
Auf dem Rückweg kleiner historischer Ausflug in
das Wadi Dar. Der Sommersitz der früheren nordjemenitischen Imame.
Bis in die 60er Jahre führten sie ein in unseren Augen Schreckensregime
und verantworteten die totale Isolation des Nordjemens. So imposant das
Gebäude von aussen, so schlicht und bescheiden sein Inneres.
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Am Abend Einladung bei deutschen Entwicklungshelfern vom
DED, die endlich nach 6 Monaten eine Wohnung gefunden haben. Netter Kreis,
viele junge Leute. Alle geben ein positives Feedback des Landes wieder
mit echt orientalischen Erlebnissen. Viele Jemeniten auf der Party, die
ausgezeichnet Deutsch sprechen. Beleg für die lange Zusammenarbeit
zwischen den beiden Ländern.
In der Nacht fliegen meine Kollegen nach Deutschland
zurück, ich bleibe noch einige Tage um meine Eindrücke in den
Projekten zu vertiefen und mich noch mehr über die Lebensbedingungen
zu informieren.
Am nächsten Morgen Besuch des British Club, Sammelbecken
aller Nichtjemeniten in Sanaa, kleiner Swimming-Pool, nette Snackbar, zwei
Tennisplätze.
Dort lerne ich auch einen Kollegen meines Freundes Eckhardt
aus Tunis, kennen. .Auf die Entfûhrung eines seiner Ingenieure aus
einem Bohrfeld vor einiger Zeit angesprochen, räumte er ein, das die
Vorgehensweise vor Ort falsch angegangen worden sei. Man hat die betroffenen
Stämme durch den Gouverneur, die Hauptanlaufstelle der Firma, nur
ungenügend beteiligt.
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nicht reich , aber würdevoll |
Die Regierung bekam ihn jedoch gegen Zusage des Baus eines
öffentlichen Gebäudes frei. Die Geiselnahme machte den Ingenieur
jedoch kaum betroffen, gleich nach Freilassung kehrte er ohne Umweg über
Sanaa auf das Bohrfeld zurück. Erkenntnis: Die Geiselnahmen sind immer
traditionell gastfreundliche Veranstaltungen.
Am Nachmittag Besuch bei einem Deutschen, der seit fast
20 Jahren im Jemen ist, mit einer Jemenitin verheiratet und zum Islam übergetreten
ist. Er macht Strassenbau in Oberflächenrecyclingweise im Jemen, ein
gutes Geschäft in einem Land, was wie viele Entwicklungsländer
zunehmend, auf Motorisierung setzt.
Auch Mohamed lerne ich kennen. Er gilt in der Deutschen
Kolonie als der "Master of Miracles", der, der Unmögliches möglich
macht.
Am nächsten Tag Bummel in den Einkaufszentren und
Häuserbesichtigung: Sanaa Trade Center, grosser Marmorklotz mit allem
, was das Herz begehrt, westliche Kleidung, Computerausstattung, Internetcafé....
Gleich nebenan ein Supermarkt: westliche Produkte in
Hülle und Fülle vom alkoholfreien Becksbier bis zum Brathähnchen
aus der Tiefkühltruhe mit deutscher Aufschrift.... Wiederum nebenan,
der "Obi", wie in Tunesien die Haushaltswarengeschäfte, die Quincaillerien,
in denen man alle Haushaltswaren und Klempnerartikel bekommt, daneben ein
für Jemeniten ausgelegter Supermarkt, etwas weniger im Angebot, als
das europäische Pendant, aber preiswerter....
Erste Hausbesichtigung: Kleiner Garten, relativ kleine
Räume, die aber zahlreich. Das Grün Tunesiens wird fehlen.
Am nächsten Tag die Rückreise , per Zufall
erfahre ich, das mein Counterpart, heisst auch Mohamed, mit in der Maschine
sitzen wird. Er reist als Dolmetscher ,um die Verhandlungen mit einer deutschen
Firma zu begleiten. Am Nachmittag lädt er uns zu sich nach Hause ein,
da er Abschied von seinen Freunden und Verwandten nimmt.
12.02. Später Abend, wir fahren durch das nächtliche
Sana, 8 Tage Jemen liegen hinter mir, viele Eindrücke, manches freundlich,
neugierig machend, anderes zunächst befremdlich... Der positive Eindruck
überwiegt.
Also Gesamtresumé: Ein spannendes Land.
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