Sabäische Inschriften, sorgfältig hinter einem
Zaun im Grabungsgelände am Djebel- Al-Awd
... waren wir leider nicht.
"Es gibt historisch keine gesicherten Beweise für ihre Existenz," versichert uns Dr. Iris Gerlach, die Leiterin des Deutschen Archäologischen Instituts in Sana´a eindringlich. Aber der von ihr organisierte Trip in die Vergangenheit des Jemens führte uns trotzdem in eine zauberhafte und legendenumwobene Welt.
Ziel des Ausflugs der deutschen Community war der Djebel-Al Awd im Wadi Bana, etwa 150 km südlich von Sana´a.
Bereits um 5 Uhr morgens trafen wir uns , 12 Autos und etwa 40 Teilnehmer an der deutschen Botschaft in Sana´a. Noch im Dunkeln wurde umsortiert und die Fahrgemeinschaften gebildet. Unsere "Sandbärcrew" , Phillip und ich, wird von Judith Labs, 6 Jahre im Jemen und Ursula Dreibholz, 20 Jahre im Land, hervorragend verstärkt. Nicht zu vergessen natürlich Judiths Brotzeitkiste...
Wasserdurchfahrt im Wadi Bana: Ein bisschen mehr Schwung
wäre besser gewesen.
Stutzig machte uns "Skorpione" der Sachverhalt, daß
viele unserer Mitfahrer nicht mit dem eigenen Geländewagen, sondern
mit Mietwagen fuhren. Doch das Argument lag auf der Hand:
"Die letzten Kilometer sind sehr schwierig; Geröll
und Steinschutt auf engen Bergpisten" versicherten uns Insider glaubhaft.
So zogen wir denn in Kolonne los, die ersten 120 km in
recht zügiger Fahrt über die Teerstrasse Richtung Yarim. Dort
gab es gegen 9 Uhr erstmal ein sättigendes Frühstück: Kibda,
gebratene Leber in Gemüse und Rührei. Dazu deftiges Fladenbrot
und süssen Tee.
Was gibt noch mehr Power?
Rosinenverkäufer in Yarim; die Köstlichkeiten
gibt es an jeder Ecke zu verkaufen.
Etwa 10 km hinter Yarim verliessen wir die Hauptstrasse nach Aden und bogen nach Osten Richtung An-Naddrirah ab. Noch rollten wir auf Teer, doch die Landschaft veränderte sich schlagartig. Im Tal des Wadi Bana rollten wir durch grüne Terrassenfelder zwischen zwei Felsabhängen. Eine paradiesische Landschaft. Immer wieder durchqueren wir Dörfer, Männer und Kinder winken uns freundlich zu.
Dreimal querten wir den Wadi Bana, der immer Wasser führt, mit unseren Fahrzeugen. Ein richtiges Abenteuer: das Wasser schwappte dann und wann wohl über die Motorhaube. Doch nur ein Fahrzeug, ein Mietwagen, blieb in einer Durchfahrt stecken, die er vermutlich mit zu wenig Schwung angegangen ist. Immer öfter wurde der Teer durch Pistenstücke unterbrochen, teilweise tiefe Auswaschungen machten deutlich: Ohne Geländewagen hätte es Probleme gegeben.
Immer wieder musste der Wadi Bana durchquert werden
Und dann fing sie auch an; die angekündigte Bergpiste, die mit allen Finessen, von steilen Auffahrten, hangseitigen Querneigungen, Auswaschungen, Steinnasen und Verwerfungen alles bot, was Offroadern so richtig Schweiss auf die Stirne treibt. Gerade wir sandverwöhnten "Skorpione" hatten da so unsere Probleme; manch dumpfer Schlag von unten zeigte an, das der Boden es wahrlich nicht gut mit unseren Fahrzeugen meint.
Kein Zuckerschlecken: An den Berghängen des Djebel-Al-Awd
Gegen Mittag erreichten wir das Grabungshaus am Djebel Al-Awd, Iris Gerlach liess uns keine Alternative: Vor dem Honigkuchen mit Tee auf der Terrasse des Grabungshaus galt es noch die letzten 200 Höhenmeter zu Fuss zu überwinden. Wasser zum Trinken und ein Tuch als Sonnenschutz waren unerlässlicher Begleiter; eindrucksvoll mit welcher Kraft die Sonne in dieser Höhe scheint.
Autos abgestellt und auf Schusters Rappen weiter
Nach einer schweisstreibenden halben Stunde erreichten
wir das Ziel, den Zaun der Grabungsanlage vor uns. Ein toller Blick ins
Tal entlohnte für die Strapazen des Aufstiegs.
Eine kurze Verschnaufpause und das Grabungsteam
zeigt uns die Ergebnisse ihrer Arbeit.
Um die Jahrtausendwende sei die
Siedlung hier bewohnt worden und dann wohl von äthiopischen Kriegern
zerstört worden. Per Zufall durch einen Schäfer entdeckt, kam
dieses Geheimnis zu Tage, mit dem kein Archäologe gerechnet hat. Der
Schäfer entdeckte unter einem Busch ein Loch, grub nach und holte
einige Bronzeleuchter hervor.
Grabbeigaben in einer Begräbnisstätte eines
Hauses
Einige Zeit betrieb er einen recht
schwunghaften Handel mit diesen Gegenständen bis ihm die Altertumsbehörde
auf die Schliche kam. Seither gräbt das Deutsche Archäologische
Institut an dieser Stelle.
Sorgfältig freigelegte Grundrissstrukturen,
ja sogar komplette Häuser wurden gezeigt.
Im Einzelnen liess sich auf den
Verwendungszweck schliessen: Einfache Wohnhäuser, eine Residenz und
ein Gebäude,das möglicherweise ein Kultgebäude, ein Tempel,
war. Interessant sind besonders die Fundstücke aus diesem Bereich.
Ihr mediterraner Charakter deutet darauf hin, das die Art ihrer Herstellung
vom Mittelmeerraum geprägt war, im Zuge der Weihrauchstrasse also
hier eine Art "Brückenkultur" bestand.
Milimetergenau wird die Ausgrabungsstätte vermessen
Zurück im Grabungshaus wurden
wir durch ein fürstliches Buffet mit Tee, Honigkuchen, mitgebrachten
Broten und alkoholfreiem Bier verwöhnt. Unter dem grossen Sonnensegel
kamen wir noch mal mit den Archäologen ins Gespräch: Sechs Wochen
dauert ein Grabungszyklus, solange verbleibt das Team in der Grabungsstätte.
Die Arbeit ist straff und zielorientiert organisiert. Das Freizeitleben
ohne irgendwelchen Luxus der Zivilisation, nach Yarim sind es wenigstens
3 Stunden mit dem Auto durch schwieriges Gelände.
Gegen 3 Uhr verabschieden wir uns,
denn die lange Rückfahrt steht noch vor uns.
Wieder geht es bergabwärts
über Geröll und Verwerfungen, Steinnasen und Auswaschungen.
... und wieder zurück durch Berg und Stein
Im Westen geht die Sonne zwischen
den Spitzen des Djebel-Al-Awd in einem rotgetönten Purpur unter. Schon
leuchten die Scheinwerfer in der kurzen Dämmerungsphase die Bergpiste
aus. Im Halbdunkel der Dörfer sammeln sich die dort spielenden Kinder
am Strasenrand und winken uns zu. Auch die Wasserdurchfahrten werden in
zügiger Fahrt genommen.
Gegen 8 Uhr erreichen wir Sana´a,
alle wohl und munter, wenn auch müde.
Die "Skorpione" treffen sich noch
zum traditionellen Afterlanding. Judiths letzte Brote werden verzehrt,
heisse Würstchen auf den Tisch gezaubert.
Nun, Königin von Saba wieder nicht gefunden aber toll war es trotzdem.