Eigentlich eine sehr schöne Motorradtour.....

Ein Zwei-Tages-Trip von Sana´a über Hodeida an das Rote Meer bei Zabid



Im Hochsommer ist die Bergwelt Sana´as zwar auch sehr schön, doch es lockt der Ruf des Meeres. Was liegt da näher als ein Tripp an das ca. 200 km entfernte Rote Meer. Einige Warnungen ereilten uns im Vorfeld, denn die Tihama, der Vorhof zur Hölle ist gerade im Sommer berüchtigt für sein feucht heisses Klima und die Kessellage des Roten Meers ermöglicht kaum grössere Abkühlung durch den Wind.

Trotzdem gingen wir das Abenteuer ein und schwer mit Wasser und kalten Getränken gepackt stand der Sandbär früh morgens in Sana´a bepackt bereit.

Zunächst ging es noch über die fast leere Ringroad in Sana´a zum Abzweiger nach Hodeida, auf diesem dann schnell auf den ganz Sana´a umgebenden Bergrücken. Noch ist das Gelände von Pflanzen kahl, bebaut in typischer Vorortbauweise, immer weiter klettern wir hoch. Hauptsächlich LKWs , schwer beladen, und kleine Pickups sind zu dieser Zeit unterwegs und quälen sich die Serpentinen hoch.

Der erste Checkpoint: Freundlich und schnell werden wir abgefertigt, unserer tunesischen Kennzeichen erregen aber ein bisschen Argwohn. Ein Toyota Pickup mit aufgepflanzter Maschinenkanone macht deutlich: Hier ist die Staatsmacht präsent. Ganz Sana´a ist von solchen Checkpoints umgeben an denen Militär und Polizei den Zugang zur Stadt kontrollieren.

Nun ändert sich das Gelände um uns herum, die Bebauung verschwindet, kahler Fels und Geröll dominieren.

Immer weiter arbeiten wir uns die Serpentinen hoch, überholen immer wieder die im Schrittempo sich hocharbeitenden Kurzhauber Mercedes LKWs, die laut jammernd am Berg arbeiten. 2917 m zeigt der Höhenmesser im Sandbär, als wir den Gipfelpunkt erreichen.

Man hat den Eindruck am "Dach der Welt" zu stehen, nur blauer Himmel und gigantische Bergkulissen um einen herum. In leicht geschwungenen Serpentinen geht es bergabwärts, links und rechts der schmalen Strasse steile Abgründe, ab und an ein auf der Strasse liegender Steinschlag, den der letzte Regen abgespült hat.

Nach etwa 15 Minuten haben wir wieder etwa 1800 m Höhe erreicht, wieder über eine Kuppe, eine Linkskurve und da....

Ein gigantischer Anblick, vor uns erstreckt sich ein Terassental in die Tiefe, grün, kleine Anpflanzungen, optisch der Eindruck, als wenn es unendlich in die Tiefe geht. Eine Landschaft wie im Traum und kaum zu beschreiben.

Nur mit der Motorbremse im zweiten oder dritten Gang tasten wir uns weiter abwärts. Es wird zunehmend grüner, hier regnen sich die knappen Niederschläge vom Roten Meer aus.

Ein Dorf an der Strasse, wenige Häuser die sich dicht gedrängt an der Fahrbahn befinden. Geschäftiges Treiben, es ist Markt; wir drängen uns im Schrittempo zwischen Händlern und Käufern durch, man kann fast aus dem Wagenfenster in die Marktstände greifen.

Wieder auf der freien Strecke, rechts neben uns verläuft ein Wadi in einem kleinen von Buschwerk umgebenen Tal, links von uns eine steile, fast unendlich nach oben ragende Felswand, die Strecke verläuft jetzt in der Ebene.

Der Platz lädt zum Picknick ein, wir verlassen die Strasse und fahren in den Wadi ein und picknicken im Kiesbett. Eine kleine Ziegenherde, die von ihren Hirten durch das Wadi getrieben wird, möchte gerne teilhaben.

Wieder auf der Strasse geht es nach einiger Zeit über eine Kuppe in ein anderes Tal, wieder ein Wadi, diesmal Wasser führend. Das reissende braune Wasser zeigt, welche Mengen hier mit welchen Energien wirken.

Plötzlich rechts ein kristallklarer Wasserfall , der aus dem Berg entspringt und unmittelbar neben der Strasse sein Wasser ergiesst.

Weiter geht es abwärts. Die Flächen werden grösser, die Anpflanzungen auch. Die typische Hochhausarchitektur des Bergjemens verschwindet langsam und macht kleineren Lehmhütten mit Palmenabdeckungen Platz.

Eine letzte Serpentine und nun ein gerades abschüssiges Stück Strasse; zwischen zwei Bergkuppen durch und nun liegt sie vor uns: Die weite Ebene der Tihama. Das Gelände ist nun steppenförmig mit Niederbewuchs und erinnert sehr stark an die ostafrikanischen Landschaften auf der anderen Seite des Meeres. Die Lehmhütten verstärken diesen Eindruck, die Frauen sind nicht mehr schwarz verschleiert sondern tragen bunte Kleider.

Afrika pur! Über glatten Asphalt geht es nun nach Hodeida. Wieder ein Checkpoint, wieder schnelle Abfertigung.

Die Tihama ist eins der Hauptagrargebiete des Jemens und so findet sich denn hier auch der erste Ansatz der industriellen Verwertung: Grosse Lagerhallen und Umschlagmärkte am Strassenrand. Ca. 20 km vor Hodeida ein grosser Kreisverkehr mit dem Abzweiger nach Süden. Noch fahren wir auf Asphalt etwa 70 km in zügiger Fahrt bis zur Ortschaft Zabid. Von dort zeigt die TPC-Karte einen Abzweiger durch eine Oase ans Meer. Zunächst entpuppt sich der Abzweiger als Trasse einer neuen Strasse geht jedoch dann in eine Piste über, nicht eine, nein, ein ganzes Pistensystem. Wir befinden uns in einer der grössten Oasen des Jemen. Palmenhaine und Bananenstauden, soweit das Auge reicht, immer wieder kleine Wasserpumpen, die das kostbare Nass aus dem Boden pumpen. Wunderbar, nur schrecklich zur Orientierung, hier hilft keine GPS, wenn man direkt vor einer Anpflanzung steht. Keine Karte stellt das Labyrinth dar.

Ein freundlicher Mopedfahrer (Mopeds sind das Hauptverkehrsmittel in dieser Region) fragt uns: "Ila Bar? Zum Meer?" "Ennam- Ja" und schon fordert er uns auf,  ihm zu folgen. Schnell führt er uns durch das Gewirr der Pisten, an zerfallenen osmanischen Kuppelbauten vorbei , sammelt hier noch einen (dritten) Beifahrer auf setzt

ihn am nächsten Pumpenhaus ab und führt uns bis in eine grosse Sandfläche, die in weiter Entfernung von einigen Palmenhainen umgeben ist. "Shokran jesira Herzlichen Dank" Freundlich verabschieden wir uns und tasten uns nun allein durch die Ebene durch. Kurz darauf entdecken wir den metallgrauen Schimmer am Horizont das Rote Meer. Ein kleines Fischerdorf passieren wir noch und fahren am Strand mit seinem dunkelgrauen Sand bis zu einer ruhigen Stelle.

Das Meer ist fast glatt , nur eine kleine Dünung spült ihre Wellen an den Strand, der von Muscheln und Delphinknochen leider aber auch etwas Müll übersät ist.

In der untergehenden Sonne bauen wir unsere Zelte auf und geniessen ein erfrischendes Bad im Meer.

Etwas später gibt es auf dem Petroleumkocher eine warme Mahlzeit, schnell verschwinden die letzten Strahlen der Sonne hinter dem Horizont und die Dunkelheit breitet sich aus. Der Chronist zieht sich nun ins Zelt zurück;  nur Lars und Phillip, die nicht schlafen können , verbringen noch einen Teil des Abend auf den Klappstühlen am Strand.

Die Nacht ruft nun ganz andere Lebewesen auf den Plan: Mit ihren Taschenlampen entdecken die beiden riesige Krabben, die nun ihre Löcher am Strand verlassen und auf Jagd gehen, aus den nahen Palmenhainen gesellen sich



einige Flughunde dazu und geben dem Ganzen eine gespenstische Atmossphäre.

Früh um 6 Uhr erwärmt die gerade aufgegangene Sonne sehr schnell die Zelte, nach einem ausgiebigen Frühstück und einem erfrischenden Bad im Meer wird nun gepackt und zurück geht es durch das Labyrinth der Oase. Gott-sei-Dank findet sich wieder ein freundlicher Mopedfahrer, der uns zurück schleust.

Wieder zurück auf der Passtrasse fahren wir die Strecke retour. Nachmittags ist Katzeit im Jemen, das bemerken wir auch hier auf der Passtrasse: Immer wieder finden wir Katbüschelchen auf der Strasse, die von den Autobesatzungen nach Abpflücken der jungen Triebe aus dem Fahrzeug geworfen werden.

Am späten Nachmittag erreichen wir wieder Sana´a. Eine schöne Tour liegt hinter uns.