Dunkeles Kapitel deutsch-tunesischer Geschichte:
Das Ende des Afrikafeldzugs
 Felix Transfeld und Klaus Kleinschmidt

Kleine Anmerkung: Dieser Artikel soll mit weiteren Erkenntnissen über die heute noch sichtbaren Spuren ausgebaut werden.
 
 

Abb.1: Deutscher Panzerangriff im Frühjahr 1943 bei Djebel Mansour





Der Afrika Feldzug im II. Weltkrieg gehört wohl zu den spektakulärsten Operationen dieser Zeit. Doch Tunesien spielte zeitlich in diesem Krieg nur eine geringe Rolle, vom Ausgang her jedoch eine sehr bedeutende. Um eine Legende gleich im Vorfeld zu zerstören: Für die Operationen in Tunesien trug Rommel nur in geringem Umfang Verantwortung. Mit seinen Truppen traf er erst im Januar 1943 in Tunesien ein , übernahm die Gesamtführung dort erst Ende Februar und wurde Anfang März aus dem Kommando herausgelöst.
 

Die in Folge dargestellten Gefechtsberichte lesen sich vielleicht recht nüchtern, dahinter verbergen sich jedoch oft Dramen nicht nachvollziehbaren menschlichen Leidens.
Blut, Dreck und Elend dieser Zeit sind heute in der Sonne Tunesiens nicht mehr nachzumalen, nur die Grabsteine der vielen tausend gefallenen Soldaten aller Nationen geben noch zu denken.

Tunesien wird Schlachtfeld

Von September 1940 bis November 1943 führte das Land unter dem Protektorat der mit den Achsenmächten zusammenarbeitenden Vichy-Regierung ein friedliches Dasein, die Gefechte tobten in der libyschen Wüste zwischen Tobruk und El-Alamein. Der Krieg war vermeintlich weit weg....
Dieses änderte sich mit Landung der Alliierten in CASABLANCA, ORAN und ALGIER, der Operation TORCH
am 08.11 1942. Während Rommels Afrikakorps ein Rückzuggefecht durch Libyen führte, fielen damit starke Kräfte in den Rücken der Achsenmächte. Damit gewann Tunesien strategische Bedeutung.Wer Tunesien, insbesonders Nordtunesien besaß, entschied über den Ausgang dieses Feldzuges. So kam es zu einem Wettlauf beider Seiten auf den Grossraum Tunis.

Nach kurzer Orientierung  der Vichy-Regierung zogen die Achsenmächte alle freien verfügbaren Kräfte aus Frankreich und Italien zusammen um Tunesien zu besetzen und den "Brückenkopf Tunis" zu bilden. Mit einem Luftlandeunternehmen der Fallschirmjägerkompanie des Hauptmann Sauer am 10.11.1942 auf den Flugplätzen LA MARSA und EL ALOUINA standen damit erstmals deutsche Truppen in Tunis, am 11.11. erfolgte eine weitere Anlandung in BIZERTE.

Ziel war der Achse war es zunächst die Linie TUNIS-BIZERTE zu behaupten und eine Auffanglinie gegen die alliierte Landung im Zuge der tunesisch-algerischen Grenze zu bilden. Ziel der Alliierten auf jeden Fall TUNIS zu nehmen, um damit im Rücken des nach Westen ausweichenden Afrikakorps zu stehen.


Abb 2: Der deutsche Generalfeldmarschall Rommel

Wettlauf nach Tunis

Auch die südtunesischen Städte gewinnen Bedeutung um den Brückenkopf auszuweiten: Am 18.11. wurde GHABES ebenfalls durch deutsche Fallschirmjäger genommen. Ab dem 21.11. wurde die in Frankreich aufgestellte 10. Panzerdivision in Tunesien gelandet.

Am 23.11. gelang den Alliierten der Vorstoss auf tunesisches Territorium, in DJEDEIDA wurde ein deutscher Feldflugplatz mit allen Maschinen von einem amerikanischen Stosstrupp vernichtet. Eine Seelandung alliierter Kräfte am 28.11. bei CAP SERRAT misslang, die Kräfte müssen sich nach heftigen Gefechten nördlich des SEDJENANE Flusses wieder in die Boote zurückziehen. Ein britisches Luftlandung mit über 1000 Fallschirmjägern am 29.11. nördlich von ZAGHOUAN traf ins Leere, der angestrebte Zielpunkt, ein deutsches Flugfeld bei UTHNA, war bereits verlassen. Unter grossen Verlusten schlug sich das Kommando am 2.12. zu den eigenen Linien zurück.

Ziel der Alliierten war es nunmehr aus Räumen um MATEUR auf BIZERTE , aus Räumen um TEBOURBA heraus TUNIS anzugreifen und zu nehmen. Beide Seiten massierten innerhalb kürzester Zeit gepanzerte Kräfte. Initiativ wurden die Deutschen mit einem Angriff auf TEBOURBA .Zwischen dem 27.11. und dem 2.12. kam es zu blutigen Gefechten in TEBOURBA, MEDJEZ EL BAB, EL BATHAN, die insbesonders durch die Kampfpanzer Tiger mit ihren leistungsfähigen 8,8cm Kanonen und Fallschirmjäger im Ortskampf noch zu Gunsten der Achsenmächte entschieden werden konnten.


Abb 3: Deutscher Tiger in Stellung









Scheinbare Stabilisierung

In Folge lagen die Schwerpunkte der Achsenmächte in der "Neutralisierung" der französischen Besatzungskräfte, die zwar der achsenfreundlichen Vichy Regierung unterstanden, jedoch für die Achsenmächte nicht berechenbar waren. So wurde am 9.12. der französische Befehlshaber in Bizerte zur Übergabe seiner Kräfte gezwungen: 7 Küstenbatterien, Schnellboote und Hilfsschiffe wurden damit ausgeschaltet.

Während beide Seiten neue Kräfte herbeiführten, die Alliierten aus Algerien, die Achsenmächte mit Masse deutsche Kräfte aus Italien,  kam es zu schweren Panzergefechten vor allem im Raum TEBOURBA und MEDJEZ EL BAB. Das Einbrechen schwerer Regenfälle verhinderte die Fortsetzung einer amerikanischen Offensive, so das raumgreifende Operationen zunächst nicht stattfanden. Recht eng an Tunis stand damit die Front auf der Linie MATEUR, MEDJEZ EL BAB, PONT DU FAHS, DJEBEL BOU DABOUS und teilte Tunesien damit quasi in drei Fronten: Den Ring um TUNIS, die Mittelfront um KASSERINE und die im Süden geplante Auffanglinie MARETH.

In dieser Phase kam es für beide Seiten darauf an, die Verkehrsverbindungen und Nachschubmöglichkeiten im Hinterland des Feindes zu stören, so zerstörte ein amerikanischer Stosstrupp die Eisenbahnverbindung nördlich der Brücke von ELDJEM, ein deutscher Luftwaffenangriff die Medjerdabrücke bei MEDJEZ EL BAB. Zwischen dem 02.12. und 31.12 konnten beide Seiten ihre Kräfte entscheidend verstärken, ebenso traten aus Algerien nun freifranzösische Kräfte auf den Kriegsschauplatz.

Erneute Initiativen

Mit Ende der Regenperiode am 15.1.1943 versuchten die Achsenmächte mit der Operation EILBOTE abermals die Initiative zu ergreifen, aus dem Raum PONT DU FAHS wurde ein Angriff mit Panzern und Infanterie vorgetragen, in harten Gefechten, die vor allem von Infanteristen ausgetragen wurden, konnten Vorstösse erzielt werden, DJEBEL BOUDABOUS, DJEBEL MANSOUR und PICHON konnten genommen werden. Zwischenzeitlich erreichten die ersten aus Libyen ausweichenden Teile des Afrikakorps Tunesien und bezogen Räume um GHAFSA und zwischen dem SCHOTT EL JERID und MATMATA. In dieser MARETH Stellung sollten diese Kräfte eine Auffanglinie gegen die aus Libyen angreifende britische 8. Armee bilden. Teile konnten aber die Operationen der bisherigen Brückenkopfkräfte verstärken. Andererseits konzentrierte sich die Achsenlogistik nun ausschliesslich auf Tunesien denn am 23.1. fiel der letzte Seehafen in Libyen, TRIPOLIS in britische Hand.


Abb 4: Der britische General Montgomery-
Er führte den Angriff von Osten

Damit wurde die Dramatik des Feldzuges nun erhöht, denn die ausweichenden Kräfte des Afrikakorps verbesserten die operativen Möglichkeiten der Achsenmächte.Die Alliierten mussten nun alles daran setzen, diese Kräfte auszuschalten.


Abb. 5: Britische Mathilda Panzer
Rommel ,der bislang ausschliesslich die Kräfte in Libyen führte, trat nun erstmals in Kampfgeschehen mit dem Afrikakorps in Tunesien ein. Am 15.2.1943 griff er mit Unterstützung der Brückenkopfkräfte mit zwei deutschen und einer italienischen Panzerdivision über SBEITLA und den westlich davon gelegenen FAID Pass in Richtung TEBESSA an. Ziel war das Nehmen aller Pässe, die aus Algerien nach Tunesien führen.

Abb. 6: Amerikanischer Sherman Panzer

Der FAID und der KASSERINE Pass konnten in blutigen Kämpfen genommen werden, doch der Schwung der Achsenkräfte reichte für den letzten, den TEBESSA Pass, nicht mehr aus.

Ebenso versuchte die Achse nochmal im Norden aktiv zu werden, die Operation OCHSENKOPF sollte eine Befreiungsschlag für das eingezwungene Tunis bis in die Medjerdaebene bringen. Am 26.2. griffen starke deutsche Panzerkräfte an, die Tigerpanzer blieben jedoch im breiigen Boden nach den Regenfällen stecken. Dramatisch ist der Verlust von 7 Tigern 12 km vor BEJA in einem amerikanischen Minenfeld. Dort steht noch der von den damaligen Gegnern gesetzte Gedenkstein der an das "Tigergrab von Beja" erinnert.


Abb. 7: Die alliierten Generale Alexander und Bradley -
Sie führten die Angriffe von Westen

Anfang März standen nun 80.000 deutsche und 40.000 italienische Soldaten in den Kampfverbänden, dazu nochmal gesamt 230.000 rückwärtige Dienste den 80.000 britischen Soldaten im Osten vor der MARETH-Linie und 130.000 Amerikanern, Briten und Franzosen im Westen gegenüber. Seit 23.2. hatte man die Kräfte des Brückenkopfes und das Afrikakorps als Heeresgruppe Afrika unter dem Kommando von Rommel zusammengefasst.
 

Zum Ende hin

Kriegsziel der Alliierten in Tunesien war es, die Achsenmächte auf jeden Fall noch in Afrika zu zerschlagen, ein Übersetzen nach Europa zu verhindern und damit die weitere Invasion Italiens zu erleichtern. Neben den Gefechten der Heereskräfte kam es jetzt auch zu massivem Eingreifen der alliierten Luftwaffen, die vor allem BIZERTE und TUNIS, in der Endphase auch CAP BON angriffen. Dadurch wurde in erster Linie vor allem die Zivilbevölkerung betroffen, die dadurch ihre grössten Verluste beklagen musste.

Am 9.3. verlässt Rommel aus gesundheitlichen Gründen das Afrikakorps und übergibt das Kommando an Generoberst von Arnim. Historiker streiten, ob Hitler diese Personalmassnahme möglicherweise auf Grund der sich abzeichnenden Niederlage veranlasste.

Während jetzt noch der Mittelabschnitt um KASSERINE relativ stabil blieb, kam es Mitte März im Norden zu heftigen Kämpfen. Den Alliierten gelang es gegen harten Widerstand und Gegenangriffe der Deutschen um SEDJENANE die Achsenkräfte auf die Linie CAP SERRAT-STEJEFNA-ST DE NAIR zurückzudrängen. Nachdem vorher bereits durch das Wüstengelände südlich der MATMATA Berge kleinere Kampfgruppen auf tunesisches Territorium vordrangen, begann im Süden am 20.3. die 8th Army mit der Operation "PUGILIST", dem Angriff auf die MARETH-Linie, die trotz logistischer Probleme durch Deutsche und Italiener im wesentlichen bis 4.4. gehalten werden konnte.
 

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Exkurs:
General Leclerc - Held des freien Frankreichs
In diese Phase des Tunesienkrieges fällt der Kampf um die Oase KSAR GHILANE.
Leclerc , 1940 noch Hauptmann, wurde von De Gaulle mit der Niederwerfung des Vichy-Apparates in den Zentralafrikanischen Staaten  beauftragt. Nach einem beeindruckenden Erfolg in dieser Mission startete er am 25.1.1941 aus dem Nord-Tschad mit 350 Mann, 100 Fahrzeugen und einem 75 mm Geschütz zu seinem legendären 800 km Fussmarsch nach Norden und eroberte am 1.3.1941 die Kufra-Oasen in Libyen. Von dort unterstützte er durch Stosstruppunternehmen die 8th Army gegen Rommel, vereinigte sich mit dieser im Januar 1943 und nahm weiter im Feldzug gegen Tunesien teil. Montgomery setzte die wüstenerfahrene Truppe an seiner linken Flanke, also im Süden ein. Am 10.3.1943, im Bereich der Oase KSAR GHILANE wurde Leclerc von einer deutschen Panzerkampfgruppe angegriffen. Diesen Angriff konnte er mit Unterstützung der Royal Airforce zurückschlagen.


Abb. 8: Der französische General Leclerc -
Symbolfigur des Freien Frankreichs

Leclerc nahm später mit der nunmehr zur 2. Division Blindée aufgewachsenen Kampfgruppe an der Landung in Frankreich und an der Befreiung von Paris teil, seine alten Tschad-Kämpfer hissten im November 1944 auf der Strassburger Kathedrale die Trikolore und seine Kampfgruppe stand am 8.Mai zur Kapitulation der Deutschen in Berchtesgarden in der unmittelbaren Nähe des Obersalzberges, Hitlers ehemaliger Residenz.
Diese Operationen machten Leclerc zur Symbolfigur im Kampf Frankreichs gegen das Dritte Reich. 1947 starb der Vater von sechs Kindern bei einem Flugzeugabsturz.

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Logistik beinflusst alle Schlachten und entscheidet viele...
Nun wurde die Logistik zur entscheidenden Frage; seit 23.3. war kein Schiff mehr zur Versorgung der Heeresgruppe Afrika durchgekommen. Obwohl das Kräfteverhältnis und auch die taktische Lage für die Achse nicht ungünstig stand, war dies der entscheidende Punkt: Der Vormarsch der Alliierten lies sich trotz zäher Gegenwehr nicht mehr aufhalten:
7.4. Strasse GHABES-GAFSA, 10.4. SFAX ,11.4. KAIROUAN und Vereinigung mit den aus Westen angreifenden Kräften, 13.4. ENFIDHA.


Abb. 8: Amerikanischer Feldflugplatz in Tunesien

Das Höhengelände um ZAGHOUAN- DJEBEL AL RASSAS bot noch Schutz und gab einige Tage Aufschub, inzwischen wurde der Nordabschnitt bis auf die Linie BIZERTE - ENFIDHA zurückgedrückt; 6.5. Beginn der Grossoffensive aus MEDJEZ EL BAB auf TUNIS , 7.5. BIZERTE genommen, 7.5. heftige Gefechte um TUNIS, oftmals kämpften die Achsenmächte bis zur letzten Patrone, 8.5. TUNIS genommen.


Abb. 8: Alliierter Sherman Panzer in Bizerte in der Nähe des Stadtzentrums

Die alliierten Kräfte aus Süden drangen nach und nahmen am 12.5. CAP BON , wo die letzten deutschen und italienischen Soldaten in Gefangenschaft gerieten. In dieser Phase kam es noch zu schweren Bombadierungen CAP BONS, die Zivilbevölkerung suchte Schutz in den alten, unterirdischen Steinbrüchen von EL HOUREIA. Am 13.5. gegen Mittag kapitulierte der italienische General Messe dem Kommandeur der 2. neuseeländischen Division, General Freyberg in CAP BON.


Abb. 9: Dem Tod entronnen- Gefangene Deutsche und Italiener in Nordtunesien

Die Spuren - Über 50 Jahre danach
50 Jahre danach - immer noch sind Spuren  in Tunesien sichtbar. Nichtzuletzt die vielen Kriegsgräberstätten im Land sind unübersehbare Mahnmale des Krieges. Alljährlich im November gedenkt zu Armistice, Veterans Day und Volkstrauertag eine nunmehr internationale Gemeinschaft ehemaliger Kriegsgegner und Tunesier dem Grauen vergangener Tage:

TUNIS - GAMMARTH
Hier liegt auf dem höchsten der drei Vorhügel von Tunis der französische Soldatenfriedhof. Hoch über dem weissen Kalkfelsen wehen Trikolore und tunesische Flagge, Soldaten aus Frankreich und seinen Kolonien fanden hier ihre letzte Ruhe.Vom Flaggenmast bietet sich ein eindrucksvoller Blick über die gesamte Stadt und den Golf von Tunis.


Abb. 10: Blick vom französischen Friedhof auf den Golf von Tunis

KARTHAGO
In einem von Baumgruppen umgebenen Wiesenhain inmitten der historischen Stätten fanden die amerikanischen Toten ihre letzte Ruhe. In einer Ehrenhalle sind in Mosaiken die Gefechte des Nordafrikafeldzuges dargestellt. Grabsteine mit Kreuzen, Davidsternen und Halbmonden erinnern an die 2840 gefallenen Amerikaner, weitere 3724 Namen von vermissten Soldaten in der Ehrenhalle.

BORDJ-CEDRIA
Südlich von Hammam-Lif an der GP 1 Richtung Grombalia, westlich der Hauptstrasse liegt auf einem Hügel die Grabstätte der deutschen Gefallenen. Hier unterzeichnete General von Armin am 13.05. 1943 die Teilkapitulation der deutschen Kräfte. In den 70 er Jahren trug der Deutsche Volksbund für Kriegsgräberfürsorge e.V. die Gebeine aus 8 Feldfriedhöfen in Tunesien hier zusammen. In grossen Granitblöcken fanden die 8562 gefallenen Deutschen hier ihre letzte Ruhe. Vom Hügel aus bietet sich der Blick auf den Süden Tunis und Cap Bon.

ENFIDHA, AMDOUN , BORDJ EL AMRI und andere
Während Amerikaner und Franzosen und Deutsche Ihre Toten in den bereits erwähnten drei Friedhöfen zusammenfassten, ruhen die britischen Toten in der Nähe der Schlachtfelder, dort wo sie fielen. Kleine Friedhöfe in Hainen nahe der Hauptstrassen mit sauber ausgerichteten Grabsteinen mahnen die Vorbeifahrenden. Kleine weisse Schilder mit der Aufschrift COMMONWEALTH WAR  CEMETRY am Strassenrand weisen auf die Plätze hin.
 
 

Die Schlachtfelder vergangener Tage sind nur für den suchenden Blick erschliessbar. Ein rasch sich modernisierendes Tunesien begrub fast vollständig diese Zeugnisse unter Tourismus, Industrialisierung und moderner Landwirtschaft:
 

LA MARSA und EL ALOUINA
Die beiden früheren Flugplätze von Tunis, auf denen erstmalig die Deutschen im November 1942 landeten, sind nicht mehr erkennbar.
TUNIS-CARTHAGE INTERNATIONAL, nunmehr der grösste Airport Tunesiens, hat mit Betonpisten alles zugedeckt. Südlich von LA MARSA und südöstlich des SABKATS, des nördlichen Salzsees dürfte das alte Flugfeld von LA MARSA gelegen haben. Spuren sind nicht mehr erkennbar.

BEFESTIGUNGEN IM RAUM TUNIS - BIZERTE
An vielen Plätzen befinden sich hier noch Verbunkerungen, z.b. im Stadtpark von Tunis, entlang der Strasse Tunis-Bizerte, entlang der Piste von Cap Blanc Richtung Tabarka am Strand. Hier handelt es sich um vermutlich noch unter französischer Verantwortung konstruierte Befestigungen, die teils als Beobachtungsposten, teils als Geschützbunker dienten. Die Zeit des Engagements der Achse in Tunesien war zu kurz , diese teilweise sehr aufwendigen Anlagen zu planen und zu bauen.

FELDFLUGPLÄTZE DER ACHSE UND DER ALLIIERTEN
Diese wurden mit ganz geringem Aufwand  hergerichtet und oftmals nur für wenige Tage betrieben. Keine 1000 m einigermassen ebene Piste, allenfalls durch die berühmten Luftlandebleche befestigte Sandflächen, reichten aus ,um kurzfristig einen Feldflugplatz zu schaffen. Spuren sind allenfalls noch die Überreste der Luftlandebleche, die gerade in Nordtunesien bei den Bauern in der Nachkriegszeit sehr beliebt waren. Sie dienten friedlicheren Zwecken  zur Eingrenzung ihrer Gehöfte und dort findet man sie teilweise heute noch. Die amerikanischen TPC - und JOGA Karten werfen einige dieser Flugplätze noch aus: Man findet sie mit der Bemerkung "ABONDEND (verlassen)"  in diesen ja eigentlich für Flieger bestimmten Orientierungsgrundlagen.

CAP SERRAT
Östlich der Hauptbadebucht und des Campingplatzes, mittlerweile quer vor der Brandung und fast vom Sand total verdeckt, befindet sich noch ein Schiffswrack. Dieses dürfte aus der missglückten alliierten Landung im November 1942 an dieser Stelle stammen.

RAUM MEDJEZ EL BAB
In TAHENT finden wir noch in einem Wadi die Grotten in denen sich im Winter 42/43 ein deutsches Fallschirmjägerkommando gegen die Angriffe der Alliierten verschanzte. Neben den Grotten sind die Trichter der Artillerieeinschläge noch erkennbar.

RAUM BEJA
Auf der Strasse P 11 zwischen MATEUR und BEJA steht der "Tigergrabstein", ein etwa 6 m hoher Monolisk, der an die Panzerschlacht an dieser Stelle im Februar 1943 erinnert. Die von Osten her angreifenden sieben deutschen Tiger gerieten in diesem Bergdurchlass in ein Minenfeld und wurden von den Amerikanern abgeschossen. Die ehemaligen Kriegsgegner setzten zum Gedenken diesen Stein.

RAUM MATMATA- TATOUINE
Hier fluteten im Frühjahr 1943 die aus Lybien ausweichenden Kräfte des Afrikakorps zurück und versorgten letztmalig. Noch kann man vereinzelt bei Trödlern alte Wehrmachtsbenzinkanister und Munitionskisten erwerben. Im Hotel Sangho in Tatouine befindet sich in der Hotellounche eine Bildersammlung mit Darstellungen des Afrikakorps und statt Vasen zieren alte Granathülsen mit Blumen die Wandelhalle.

RAUM MARETH
Hier fand im Frühjahr 1943 der Durchbruch der alliierten Kräfte von Osten nach Tunesien statt. Das "Rommel-Museum", Musée de la ligne de Mareth,  südlich von Mareth erinnert an diese Schlacht mit einer eindrucksvollen Ausstellung. In der Nähe des Museums existieren noch alte Feldbefestigungen und Grabenanlagen. Diese wurden aber bereits 1938 durch Franzosen gegen die italienischen Truppen in Lybien angelegt.
Einen tollen Bericht über diesen Bereich findet man in www.bunker-ig.de
 
 


Abb. 11:  Bunker der MARETH Linie


 


RAUM KSAR-GHILANE
Hier kam es im März 1943 zur Begegnung der freifranzösischen Force L mit einer deutschen Panzerabteilung. Eine weisse Säule im östlichen Teil der Ortschaft (nicht Oase) erinnert hier noch an dieses Gefecht und an General Leclerc.
In diesem mit Kies bedeckten, gut befahrbaren Gelände muss es auch zu dem Gefecht gekommen sein. Der deutsche Panzerangriff wurde nach verschiedenen Quellen hauptsächlich mit britischer Luftwaffenunterstützung zurückgeschlagen. Dies konnte nur in diesem deckungslosen Bereich stattgefunden haben.
Am Fuss des alten Forts im Dünengelände westlich der Oase findet findet man einen alten verrosteten Panzerturm im Sand.
Er könnte von einem deutschen Panzer II stammen. Diese wurden in diesem Gefecht eingesetzt. Wie er allerdings seinen Weg in den Sand gefunden hat,  ist sehr fraglich.


Abb. 12: Heute nur noch willkommenes Spielzeug in der Wüste -
der Panzerturm von Ksar Ghilane
 CAP BON- EL HAURIA
Die alten unterirdischen punischen Steinbrüche sind in Teilen der Öffentlichkeit zugänglich, hier suchte die tunesische Zivilbevölkerung in den letzten Tagen Schutz vor den Bombardierungen. Die historische Stätte weist jedoch keine aktuellen Hinweise auf diese Geschehnisse auf.
Die Oberfläche der etwa  5 - 10 m unter der Erde liegenden Höhlen ist nicht begehbar.

MINEN UND BLINDGÄNGER
Während die verhältnismässig nur geringen Verminungen der Achsenmächte zwischen dem Schott el Jerid und Ghabes schnell und vollständig geräumt werden konnten,  bilden die Blindgänger der alliierten Bombardierungen eine nicht zu unterschätzende Altlast für Tunesien. Gerade in dem Bereich Bizerte- Tunis - Cap Bon, der Hauptanbauzone einer mittlerweile modernen tunesischen Landwirtschaft ziehen Pflüge immer wieder die gefährlichen "Kriegssouvenire" ans Tageslicht. Zwar keine Gefahr für die Touristen,  jedoch ein nicht unerhebliches Risiko für die Bevölkerung. Mit einem grossangelegten Programm will Tunesien diesem Problem in den nächsten Jahren zu Leibe rücken.

Bildernachweis:
Abb.1: Volker Kühn : Mit Rommel in der Wüste, S. 187, Stuttgart 1999
Abb.2/3/9: www.lexikon-der-wehrmacht.de
Abb.4/5/7: Imperial War Museum, London
Abb.6/8: Smithsonian Institute,Washington
Abb.10: Werner Gerstner
Abb.11: www.bunker-ig.de
Abb.12:Felix Transfeld