Zu Beginn der Herbst- Wintersaison erscheinen sie wieder in den Offroadjournalen , die Kleinanzeigen der Reiseunternehmer für Nordafrika. Grund genug bei derartiger Konkurrenz auf dem Markt mal systematisch vorzugehen und zu fragen, wie man denn ein so reichhaltiges Angebot überhaupt auswerten kann. Die aufgeführten Storys haben sich tatsächlich abgespielt, handelnde Personen und Orte wurden unkenntlich gemacht. Daher hier
Sieben Fragen zur Prüfung
Frage Nummer 1:
Brauche ich überhaupt einen Reiseunternehmer ?
Die Story: G., Vorsitzender eines Offroadclubs aus H. organisierte zweimal eine Tour mit einem Reiseunternehmen nach Nordafrika. Nach der zweiten Tour kamen er und seine Clubkameraden zu dem Ergebnis, das die erforderlichen Organisationsleistungen ohne weiteres selbst zu erbringen waren und die vom Unternehmen geforderten Teilnehmerpreise eigentlich ziemlich teuer waren. In Folge organisierte der Club seine Touren selbst. Neben der finanziellen Ersparnis kam natürlich der Spass an der Vorbereitung und das "Zusammenschweissen" der Gruppe hinzu. Alle "verantwortlichen" Mitfahrer identifizierten sich mit der Reise.
Die "Gretchenfrage" überhaupt.Welche Vorteile bietet ein Reiseunternehmer:
Für den Kunde minimiert sich der Vorbereitungsaufwand für Streckenwahl
und Organisation, ihm wird die Angst vor einem unbekannten "orientalischen"
Land genommen und die Unsicherheit, sich in einer Fremdsprache mit Zollbehörden
und Hotelmanagern auszudrücken.
Absolut Unerfahrene vertrauen darauf im Wüstengelände erste
praktische Fahreinweisungen im Sand zu erhalten und Erfahrungen zu sammeln.
Welche Nachteile hat die Entscheidung, sich der geführten Tour
eines Reiseunternehmers anzuschliessen:
Der Kunde hat nur bedingt Einfluss auf die Wahl der Strecke, keinen
Einfluss auf die Zusammensetzung der Gruppe und ist dem Reiseführer
und seinen Qualitäten im Gelände quasi bedingungslos ausgeliefert.
Dazu kommt natürlich ein teilweise weit über den entstehenden
Selbstkosten für Fähre und Hotels liegender Preis.
Eine Vorstellung von Selbstkosten hier für Hotels
und hier für Fähren.
Tip:
Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen:
Wer keine Zeit und Muße für die Vorbereitung einer
Tour hat, dem bleibt wohl keine andere Wahl als an einer organisierten
Tour teilzunehmen. Umso mehr muß er sich mit der Qualität des
Reiseunternehmers auseinandersetzen.
Wer sich die Organisation und Vorbereitung beispielsweise einer
Tour ins europäische Ausland zutraut,Englisch oder gar Französisch
spricht und technisch sein Auto beherrscht sowie etwas Zeit für die
Vorbereitung einer Tour aufbringen kann , kann sicher gut touristisch erschlossene
Länder wie Tunesien oder Marokko selbst erschliessen. Gute Reiseführer,
wie die aus dem Reise-Know-How Verlag, helfen hervorragend. Länder
wie Lybien und Algerien sind da schon schwieriger. Man kann aber auch selbst
erfahrenere Mitfahrer suchen: Foren im Internet (www.sahara-info.ch
, www.das-globetrotter-forum.de,
www.atw.ch
und
andere unterstützen da; wir haben sogar eine spezielle
Mitfahrerbörse.)
Örtliche Führer können in problematischen Regionen Orientierung
und Management übernehmen ohne die Gesamtverantwortung über die
Tour zu übernehmen.
Frage Nummer 2:
Hat der Reiseführer Referenzen?
Die Story: R., Reiseunternehmer aus L., organisierte das erstemal einen "Raid". Nach vorangegangener Erkundung, Roadbookerstellung und Kontakten zu einem örtlichen Führer, fuhr er mit einer Gruppe von 6 Fahrzeugen los. Mit Masse stützte der sich in der Organisation noch Unerfahrene auf einen mitfahrenden KFz Mechaniker und den einheimischen Reiseführer ab. Während eines Biwaks in der Nähe von K. trat er versehentlich mit einem Fuss in einen sogenannten "Berberofen" und zog sich schwere Verbrennungen zu; anschliessend "narkotisierte" er sich mit hochprozentigem Alkohol und fiel zunächst als Reiseführer aus. R. organisierte noch einmal eine Tour und zog sich dann aus dem Geschäft zurück.
Bunte Prospekte und knallige Slogans zunächst mal an die Seite!
Wie lange hat der Unternehmer Erfahrung in dem zu bereisenden Terrain,
welche Kenntnisse hat er und kennt Ihr schon Kunden, die mit ihm gefahren
sind ? Was für Vorstellungen von Sicherheit hat der Führer vor
allem beim Fahren im Gelände? Sind ihm zum Beispiel Risiken gerade
mit Anfängern bewusst?
Wichtig ist zu wissen, was er weiss und kann und was Ihr nicht
wisst und nicht könnt und bis zum Reiseantritt nicht lernen
könnt. Dieses Spezialitäten müsst Ihr herausfinden.Nichts
ist in diesem Bereich besser als persönliche Erkenntnisse und persönliche
Empfehlungen. Immerhin vertraut Ihr Euch und ggf. auch Eure persönliche
Sicherheit einem Mann/Frau an und dies ist kein Kauf eines Anzugs von der
Stange. Was man sich unter Kenntnissen eines Führers vorstellen kann
findest Du hier.
Selbst mit Führer sollte man selbst über Grundkenntnisse
in Technik, Orientierung, Medizin und Kommunikation verfügen um das
was um einen herum vorgeht auch beurteilen zu können.
Tip:
Mal in Offroadclubs nachfragen, im Bekanntenkreis umhören.
Den Unternehmer ruhig mal nach früheren Kunden fragen und sich mit
denen mal unterhalten.
Frage Nummer 3:
Welche Vorbereitungen trifft der Reiseunternehmer?
Die Story: Reiseführer B. aus K. sammelt nach Ankunft seiner Gruppe in Afrika diese zum erstenmal in einem Hotel; bei dem Briefing stellt einer der Mitfahrenden die Frage: "Hast Du eigentlich Karten für uns dabei?" Antwort: "Die solltet Ihr eigentlich selbst mitbringen!"
Je mehr die Gruppe auf eigene Fahrzeuge und Ausrüstung angewiesen ist und je grösser die Gruppe ist umso wichtiger sind die Vorbereitungen, das können im Mindestumfang Unterlagen sein, besser sind Briefings und Fahrzeugchecks. Auflagen des Unternehmers, einen Teilnehmer auf Grund der mangelhaften Qualität seines Fahrzeugs nicht mitzunehmen, sind eher positiv zu werten. Insbesonders bei anspruchsvollen Touren sollten sich die Teilnehmer schon vorher kennen. Wie wir uns solche Vorbereitungen im technischen Bereich vorstellen findest Du hier.
Tip:
Informiert Euch genau, welche Vorbereitungen bei Technik, Versorgung,
Orientierung, Medizin und Kommunikation getroffen werden und was Ihr selber
leisten müsst. Ihr wollt ja richtig betreut werden.
Frage Nummer 4:
Welche Gruppengrösse strebt der Reiseführer an?
Die Story: Reiseführer C. aus Ä.
führt regelmässig Reisen in grösseren Gruppen durch, diesmal
mit 15 KFz. Zwischen J. und F. fällt ein KFz aus; irreperabeler Kurbelwellenschaden,
wie sich später herausstellt; nach stundenlangen Reparaturversuchen,
die die gesamte Gruppe in den Dünen bindet, wird die Gruppe schliesslich
geteilt um einerseits das Fahrzeug in eine Werkstatt zu bringen und andererseits
die Tour fortzusetzen.
Da gibt es erheblich Unterschiede.... und die können schon etwas über den Charakter einer Tour aussagen:
Manche Unternehmer geben eine Höchstzahl vor: Die sollte nicht über 3- 4 Autos liegen. Je mehr Autos, je mehr Leute, je mehr Probleme , die sich auch auf Euch auswirken. Von der Panne des anderen Autos bis zur Sozialhygiene am Biwakfeuer.
Vorsicht also bei Unternehmern, die von einer Mindestteilnehmeranzahl sprechen. Hier scheint der kaufmännische Deckungsbeitrag vor der Qualität der Reise zu stehen. Was man sich unter einem Team auf einer Tour ideal vorstellt findet Ihr hier.
Tip:
Wenn die Gruppengrösse 3-4 Fahrzeuge übersteigt, Vorsicht!
Die Tour könnte den Charakter einer Pauschalreise mit Hindernissen
annehmen.
Frage Nummer 5:
Was für eine Zeit- Streckenplanung hat der Reiseunternehmer?
Die Story: Reiseführer H. aus D. führt
mit einer kleineren Gruppe eine ca. 2-wöchige Wüstentour durch.
Kurz vor M. fällt ein Fahrzeug wegen einem Kupplungsschaden aus.Drei
Tage verbringt die Gruppe mit Reparaturen in einem Dorf, danach geht
es im Eiltempo fast -nonstop- zurück zur Fähre. Einer der Teilnehmer
beklagt sich über die Raserei und wird vom Reiseleiter zurechtgewiesen:
"Bist Du nicht in der Lage mal eine Nacht durchzufahren?"
Daraus könnt Ihr bereits in der Anzeige abschätzen welchen Charakter die Reise annehmen wird.
In 14 Tagen mit Anreise aus Deutschland lässt sich Tunesien in grossen Bereichen schon erschliessen.
Für Marokko und Lybien benötigt man schon mindestens 3 Wochen, für Südalgerien schon 4 Wochen.
Wenn der Plan zwischendurch und am Ende "Relax"phasen enthält, umso besser, das kann die Pufferzeit für unvorhergesehene Pannen sein.
Sprich mit dem Reiseunternehmer darüber und hinterfrage seine Zeitplanung, vor allem seine Eventualplanung bei möglichen Pannen.
Hat er überhaupt einen Strecken-Zeitplan? Wenn ja, verlangen... Das Argument, dieser sei ein Betriebsgeheimnis, ist fadenscheinig. Das deutet daraufhin, das da kein Plan vorhanden ist oder sehr, sehr "flexibel" gehandhabt wird.
Einige Vorstellungen von Zeit- und Raum kannst Du den
hier
veröffentlichten
Reiseberichten entnehmen.
Tip:
Aus der Zeit- Streckenplanung sollte hervorgehen ob Eure Neigungen
und Interessen auch abgedeckt sind.
Geht es eher um Sand – und Geländefahren, das auch unter Zeitdruck; oder soll das Ganze eher ruhiger abgehen; stehen Kultur und Natur im Vordergrund ?
Diese Frage wird die Kernfrage sein, denn sie entscheidet ob Eure
Erwartungen vom Angebot gedeckt werden.
Frage Nummer 6:
Welche Geschäftsbedingungen hat der Reiseführer?
Die Story: Noch auf der Fähre verunglückt Reiseleiter W. aus I. Unglücklicherweise glitt er auf einer Schiffstreppe aus und muss mit schweren Brüchen noch in der Nacht vom Schiff evakuiert werden. Am Zielort angekommen muss die Gruppe die nächste Fähre wieder zurück nach Frankreich nehmen.
Achtung! Hier kann es teuer werden. Was deckt der Reiseunternehmer genau ab? Fähre, Unterkunft, Verpflegung, Gebühren..... Was deckt er nicht ab? Sprit, Versicherungen u.s.w.
Wie ist das Risiko abgedeckt, wenn z.B. der Reiseführer während der Fahrt oder unmittelbar vorher ausfällt?
Wie und wann wird gezahlt?
Tip:
Risiken prüfen: Wer zahlt was, wenn irgendwas nicht klappt?
Kasse prüfen: Sind alle Kosten abgedeckt, welche Zusatzkosten
sind selbst zu tragen?
Frage Nummer 7:
Preis- Leistungsvergleich – Wer bietet was ?
Hier bleibt nichts anderes übrig, als alle Unterlagen anzufordern und nebeneinander zu legen.
In diesem Zusammenhang kann man auch die Preise ermitteln, die bei einer Organisation auf "eigene Kappe" auftreten.
Tip:
Ein qualifizierter Vergleich verlangt fast soviel Zeit wie die
Vorbereitung einer eigenen Tour
Fazit und Bilanz