Zwischen den Kontinenten:

Let the eagles fly...

Nur 40 km liegt das Bab El Mandab, Jemens Südwestspitze zwischen Rotem Meer und Indischen Ozean vom afrikanischen Kontinent entfernt. Jedes Jahr im November organisiert David Stanton mit Schülern und Eltern der International School in Sana´a die Exkursion dorthin, um den Greifvogelzug von Asien nach Afrika zu beobachten.

Das Steppenwolfteam mit Elke, Stefan, Phillip und Marc begleitete diese Tour mit 30 Teilnehmern und 6 Fourwheels. Hier ihr Bericht:


Biwakatmossphäre am Bab el Mandab

Donnerstag 11.10. 2001:

Punkt 6 Uhr treffen sich die Teilnehmer der Greifvögelexkursion am ägyptischen Mahnmal an der Ausfallstrasse von Sana´a nach Hodeidha. Noch sind kurze organisatorische Massnahmen zu erledigen, die entgültige Verteilung auf die Fahrzeuge wird festgelegt, das Teilnehmergeld der nichtmotorisierten Teilnehmer eingesammelt. Die Sonne lugt gerade über den Bergkessel von Sana´a und nun geht es los. In zügiger Fahrt schrauben wir uns zunächst die Passtrasse nach Hodeidha hinauf und dann wieder hinunter. Ein wunderschöner Anblick tiefeingeschnittener Täler und steiler Felswände über der Fahrbahn. Nur zu einer kleinen P...pause reicht die Zeit und zügig geht es weiter an Hodeidha vorbei nach Süden. In den Dörfern treffen wir nur freundliche Menschen, man winkt und lacht uns zu, eine solch grosse Truppe von Offroadern kommt sehr selten hier durch.


Marc vor Davids Landy im farbenfrohen Tarnlook der British Army of the Rhine

In der Nähe von Zabid wird in einer Garküche Rast gemacht, schnell bildet sich eine bunte Menschenmenge um uns herum. Nur freundliche Ressonanz. Das Essen ist gut und schmackhaft.


Mittagspause in Zabid, überall wurden wir freundlich aufgenommen

Weiter geht es Richtung Süden zum Bab, das wir noch am Abend erreichen wollen. Kurz vor Al-Mockha ist das Ende allen Teers erreicht und wir wissen, warum unserer Fourwheeler mit dabei sind. Durch ein weit verzweigtes Pistensystem geht es weiter Richtung Süden. Bei einem Holzhändler wird noch Brennholz für unsere Biwakfeuer erworben. Schon neigt sich die Sonne im Westen zum Untergehen als wir den Biwakplatz unmittelbar im Lagunengelände des Babs erreichen. Das Gelände erinnert uns etwas an Tunesien; viele Flächen werden von krustenartigen Salzflächen bestimmt, fast wie die Schotts in Nordafrika.

Im Dunkeln werden noch die Zelte aufgebaut, wir sind froh mit unserem Dachzelt eine komfortabele Lösung erreicht zu haben. Das Abendessen wird von Theo Rhiedke gestiftet: Spaghetti Bolognese.


Abendstimmung im Dachzelt

Freitag, 12.10.2001

"Ihr könnt schlafen soviel Ihr wollt, aber um 0600 Uhr ist Aufstehen" mahnte uns David, und das nicht aus purer Quälerei. Man muss früh raus wenn man den Greifvögelzug am Bab beobachten will. Bereits am Nachmittag des Vortages sammeln sich die Greife, Adler, Bussarde und Falken, auf den Stränden des Bab und warten auf die beginnende Thermik des nächsten Morgen, schrauben sich dann mit der erwärmenden Luft in die Höhe und segeln in das nur 4o km entfernte Afrika. Viel gibt das am Morgen zu sehen, Scharen von Vögeln, die sich erheben, Schwärme bilden und an Höhe gewinnen. Das Team wird von Ornithologen begleitet, die uns die Zusammenhänge erklären. David , der das ganze Unternehmen schon zum fünften Mal leitet, hat die Organisation fest im Griff; wir kümmern uns um das Mittagessen, 40 Fische, frisch von einem örtlichen Fischer abgekauft, werden ausgenommen und am offenen Feuer zubereitet. Angenehmer, als der auch organisierte Latrinendienst.


"Liegengelassene" Werkzeuge


 


Samstag 13.10.2001

Wieder beobachten wir am Morgen den Vogelflug. Die nachkommenden Vögel müssen sich beeilen, wer die Thermik des Vormittags verpasst muss noch mal übernachten. Am Nachmittag ist Badetag angesagt: "Aufgepasst," belehrt David die Kinder "wenn Ihr schwimmen könnt, dann schwimmt. So könnt Ihr den Stachelrochen nicht auf die Stachel treten... und bleibt weg von den Büschen.." Hier hausen ab und an die gefährlichsten Exemplare einer jemenitischen Viperart. Der letzte Tag am Bab neigt sich dem Ende zu.


Mangrovelandschaft am Bab El Mandab



Nach Abbau des Biwaks starten wir. Der freundliche Fischhändler deckt uns noch mal mit einem Geschenk ein. Frisch gebratener Fisch und frisches Fladenbrot. Eine herzliche Geste. Diesmal geht es zurück über Taizz, eine ganz andere Landschaft, durch die grünen Terrassenfelder schrauben wir uns diesmal von Süden kommend auf Sana´a hoch. Am Abend erreichen wir wieder unsere Heimat. Die Sehnsucht der Adler hat uns gepackt...

Traum von Südsee: Der Zusammenfluss von "Indy" und "Red Sea"