Bericht eines Kurztrips von Thomas Petereit, den er mit seiner Mutter und seiner Tochter unternahm
Wüstenterrain bei Matmata
Strecke: Tunis – El Jem – Tataouine – Matmata – Tozeur – Sbeitla – Tunis
1. Tag, 21. April 2001
Aufbruch um 8.15 Uhr. Es ist furchtbar kalt heute morgen, nur ca. 12° C um 5.30 Uhr als wir aufstehen. Die Sonne schaut nur ganz zögerlich durch einen ansonsten wolkenverhangenen Himmel. Abfahrt also um 8.15 Uhr. Geschwind an unserem Hund Pert vorbei, der so gerne mit Herrchen mitfahren möchte und husch ins Auto. Auftanken an der Shell-Tankstelle vor Mornag und dann immer Richtung Süden. Auf der Autobahn sind wir schnell an Sousse vorbei und fahren danach weiter auf der GP 1 auf El Jem zu, wo wir kurz vor 11.00 Uhr eintreffen. Schon von weitem sieht man das riesige Theater, das eigentlich einmal ein Kolosseum war, sogar eines der größten im weiten Römischen Reich. Seine riesigen Ausmaße stehen in einem merkwürdigen Kontrast zu dem kleinen Städtchen El Jem. Das ausgezeichnete Olivenöl aus dieser Gegend hatte die Bürger einst reich gemacht und erlaubte ihnen, diesen riesigen Bau zu errichten. Wir besichtigen natürlich den ganzen Komplex, kraxeln bis zur dritten Torbogen-Gallerie hinauf, von wo aus wir einen ausgezeichneten Blick auf das Innere der Anlage, das Städtchen und weit hinaus ins Land hat.
Theater El Jem
Um 11.45 Uhr dann weiter Richtung Sfax. Ca. 20 km südlich von El Jem biegen wir dann allerdings in südwestlicher Richtung in El Hencha auf die Landstraße Nr. 119 ab. Wir fahren auf schmaler, dafür aber fast leerer Landstraße durch endlose Olivenhaine. Es regnet etwas, aber sobald es aufhört, halten wir an einem schönen Fleckchen und machen Picknick.
Kaum sind wir ein paar Kilometer weitergefahren, verliert sich die Straße
im Sand und weiter geht es auf einer gut befahrbaren Sandpiste. Wir verfahren
uns natürlich auch einmal, wir enden an einem einsamen Bauernhof.
Also kehrt gemacht und mithilfe des Kompaß von Stefan und Elke Löffel
sind wir bald wieder auf Kurs. Bei Bin Ali Ben Khalifa, also an der Strecke
Kairouan - Gabes (GP 2) kommen wir schließlich wieder auf feste Straße
zurück. Wir durchqueren endlich die Wetterscheide und die Sonne beginnt
uns durchzuwärmen. Gegen 16.30 Uhr durchqueren wir Gabes. Mutti und
Emilie erleben ihre erste Oase. Wir versorgen uns mit Karawanenfutter in
Form eines ausreichenden Dattelvorrats und fahren über Médénine
auf die Dahar-Berge und Tataouine zu. Beim Hotel "Sangho" kommen wir gegen
18.00 Uhr nach 550 km Fahrt an Man empfängt uns sehr freundlich mit
einem Glas wohltuenden Pfefferminztee. Wir befinden uns in einer wunderschönen
Bungalowanlage mit liebevoll angelegten Gärten. Überall sind
Versteinerungen zu bestaunen und wir können historische Fotografien
aus der Kolonialzeit studieren, die hier in der Gegend entstanden. Das
Buffet-Essen ist recht gut und der Service freundlich.
2. Tag, den 22. April 2001
Es ist noch ziemlich frisch, die Sonne strahlt jedoch aus einem knallblauen Himmel. Ich lasse es mir nicht nehmen, den Swimmingpool zu testen. Aber das Wasser ist noch kalt und so lasse ich es bei drei Runden bewenden. Wir treffen uns um 8.00 Uhr zum Frühstück und kurz vor 9.00 Uhr dann Aufbruch in das Bergdorf Chenini. Auf der Fahrt dorthin bewundern wir die schroffen Bergformationen. Immer wieder ertönen Bewunderungsrufe wegen der grandiosen Berglandschaft. Schon bald kommen wir in Chenini an. Die Berber haben sich hierher im 11. Jahrhundert vor den eindringenden Arabern zurückgezogen. Auf dem Kamm zweier Berggipfel errichteten sie kunstvolle Speicheranlagen für Olivenöl, Datteln und Feigen. Wir nehmen uns einen Führer, der uns auf nette Weise in einem lustigen Kauderwelsch alles zum Leben der Bewohner erklärt und uns auch das Innere einer Wohnung, einer Ölmühle und einer Teppichweberei zeigt. Bei einem abschließenden Pfefferminztee im zentralen Café des Orts erwerbe ich meinen ersten Webteppich.
Ksaranlage mit Gorfas
Zurück auf der Landstraße 207 halten wir noch einmal an einer
der großen Speicheranlagen mit den typischen Ghorfas. Hinter Beni
Khedache machen wir gegen 13.15 Uhr Mittagsrast. Als wir weiterfahren,
merken wir, daß wir auf der falschen Strecke sind. Wir müssen
daher nach Médénine zurück, um von dort nach Matmata
zu gelangen. Kaum sind wir auf der Strecke (Landstraße 104), verwandelt
sich diese in eine beinharte Piste. Sobald wir den Aufstieg in das Dahar-Bergland
vornehmen, haben wir eine wenn auch schmale, so doch asphaltierte Straße
unter uns. In Toujane, das sich an einen abenteuerlich steilen Abhang klammert,
gibt es viel tunesisches Kunsthandwerk. Aus zahlreichen Häusern an
der Straße hängen die farbenfrohen Tücher und Teppiche,
typische Erzeugnisse des Berberhandwerks. Um 17.30 Uhr erreichen wir nach
550 km Fahrt das Hotel "Kousseila" in Matmata, das einen recht properen
Eindruck macht. Da es in Matmata keine Tankstelle gibt (!), fahre ich noch
einmal zurück nach Matmata Nouvelle zum Auftanken. In unserem Hotel
gibt es dann in der Demi-Pension ein sehr leckeres Kouskous und mit einer
Flasche Rotwein dazu sind wir hinterher so platt, daß wir uns nach
dem Abendessen gleich aufs Ohr legen.
3. Tag, den23. April 2001
Aufstehen um 7.00 Uhr. Nach dem Frühstück gleich der Aufbruch. Da wir typische Höhlenwohnungen der Berber bereits gestern in Chenini besucht haben, verzichten wir heute auf die Besichtigung selbiger in Matmata und fahren tiefer in das Daharbergland hinein. Ich habe gestern erfahren, daß man Douz auf geteerter Straße erreichen kann. Unterwegs sehen wir noch viele Berberhäuser, die in den relativ weichen Lehm hineingebaut sind. Viele enthalten über dem Eingang Symbole wie Fisch, Hand oder einen Fuß, manche haben auch sowas wie einen "Carport", in dessen Schatten sich ein Kamel ausruht.
Im Gegensatz zu gestern ist es heute nicht ganz so klar, dafür aber viel wärmer. Bei Tamezret mit einem alten Fort, viel Militäreinrichtung und einer ausgedehnten Speicheranlage verlassen wir das Dahargebirge und fahren in das platte Tiefland hinab. Wir gelangen in eine Art Halbwüste mit nur spärlichem Bewuchs und erreichen schon bald die markante Kreuzung mit der Pipeline-Road mit dem kleinen Café . Im Norden begleiten uns die Gipfel des Djebel Tebaga. Bereits gegen 10.30 Uhr erreichen wir Douz und fahren weiter über Kebili auf den Damm des Chott el Djerid, den größten Salzsee in Nordafrika. Für eine Pinkelpause halten wir an einer Tee-, Kaffee- und Souvenirbude, wie sie alle paar Kilometer hier zu finden sind. Wir klettern vom Damm in das Chott hinab und untersuchen die Salzformationen. An der Touristenbude möchte man für eine Sandrose 15 Dinar. Wir danken und fahren weiter nach Tozeur. Der Horizont verschwimmt in aberwitzigen Luftspiegelungen, wir entdecken auch den sagenhaften Reisebus, der einmal vor Jahren abseits des Damms im Chott steckengeblieben ist und seither dort verrottet. Um 12.30 Uhr erreichen wir nach 170 km die Pension "Karim". Es ist eine saubere, kleine und bescheidene Familienpension. Hof, Durchgänge, Gesimse und der untere Teil der Wände sind mit traditionellen Fayencen sehr dekorativ gekachelt.
Gasse in Tozeur
Wir machen Picknick im hübschen Innenhof und ruhen uns etwas aus. Inzwischen besorgt uns Fauzi aus der Pension einen Führer samt Kutsche und sobald die Sonne etwas tiefer steht brechen wir auf in die alte Medina. Sie wirkt sehr still. Nur noch wenige Familien bewohnen die markanten Lehmziegelbauten. Die Lehmziegel sind in Tozeur das hervorstechende Baumaterial. Mit zahlreichen Mustern verzieren sie die schönen Fassaden. Nächste Station ist die Große Oase. Hier ist es wunderbar kühl, das Grün erfrischt uns. Neben Palmen, die ein hohes Schutzdach bilden wachsen hier Feigen, Jasmin, Zitrusfrüchte, Apfel und Grenadinen. Der Bewuchs funktioniert dank eines ausgeklügelten Bewässerungssystems. Ein "Garten"-Besitzer steigt auf eine seiner Palmen und zeigt uns, wie männliche und weibliche Triebe zur Befruchtung zusammengebunden werden. Außerhalb der Oase besichtigen wir die Lehmziegeleien und wir können einem Töpfer an der Scheibe zuschauen. Am Belvedere sprudelt mit kräftigem Strahl eine warme und kalte Quelle in einen Teich, von wo aus das Wasser in die Oase abfließt. Der Teich wird von vielen Bewohnern als Waschanstalt genutzt. Hier am Rande der Oase sehen wir auch deutlich die Umweltprobleme: wegen der in unmittelbarer Nähe in letzter Zeit errichteten Hotelanlagen ist der Grundwasserspiegel schon so stark gesunken, daß die Palmen rund um den früheren Campingplatz abgestorben sind.
Später in der Pension erzählt mir Fauzi sehr erregt von dem bedenklichen Projekt, in der Oasenstadt Tozeur einen Golfplatz zu bauen. Die ganze Bevölkerung sei gegen dieses Vorhaben, denn es wird den ohnehin schon labilen Wasserhaushalt noch mehr durcheinander bringen. Seit zwei Jahren hat es in Tozeur nicht mehr geregnet! Er befürwortet eher den "sanften" Tourismus, der das traditionelle Leben der Berberbevölkerung zeigt.
Abends speisen wir gut und angenehm im Gartenlokal "Le Petit Prince"
am Rande der Oase.
4. Tag, den 24. April 2001
Nach einem dürftigen Frühstück brechen wir auf zur Rundtour in die Berge. Bei Metlaoui geht es hinauf durch aufregend wilde Phosphatabbaugebiete. Schließlich gelangen wir in die wilde Bergwelt bei Tamerza. Wir bestaunen die alte und verlassene Stadt, die zwischen zwei Oueds liegt. Obwohl erhöht gelegen wurde sie in den 60-ger Jahren bei einer Hochwasserkatastrophe (!) stark zerstört. Die Bewohner wurden etwas weiter flußabwärts in eine neue Stadt umgesiedelt. Durch die Oase gelangen wir zu einem kleinen Wasserfall und etwas weiter können wir durch einen gewundenen Canyon kraxeln.
Noch etwas spektakulärer als Naturerlebnis ist das nur wenige Kilometer weiter an der algerischen Grenze gelegene Mides mit einer ebenfalls verlassenen Siedlung auf einem abschüssigen Plateau , hoch gelegen über einem Canyon.
Midesschlucht
Unablässig betrachten wir die zackigen und bizarren Bergformationen, die tiefen Schluchten und schroffen Gipfel und wir fragen uns, wo hier wohl seinerzeit die Filmaufnahmen für den "Englischen Patienten" und "Starwars" entstanden sind.
Abends noch ein kleiner Bummel durch Tozeur, bevor wir noch einmal ins
"Petit Prince" zum Abendessen gehen. Dort sitzt man sehr schön und
es stimmt einfach das Preis-Leistungsverhältnis.
5. Tag, den 25. April 2001
Schon um 8.30 Uhr sind wir auf der Landstraße zurück nach Tunis. Etwas still und traurig lassen wir die ziemlich öde Landschaft an uns vorüberziehen. Ein kleiner Höhepunkt am heutigen Tage ist dann das antike Ruinengelände von Sbeitla, das klassische Suffetula, das wir um 11.30 Uhr erreichen. Liebevoll hat man hier um die antike Ausgrabungsstätte Blumengärten angelegt, was der Anlage einen heiteren Charakter verleiht. Die Besichtigung lohnt sich vor allem wegen des gut erhaltenen Kapitols und des Forums. Außerdem unterbricht Sbeitla sehr angenehm die Strecke nach Tunis.
Tunis erreichen wir nachmittags gegen 16.30 Uhr. Wir haben etwa 1.800
km zurückgelegt, vielfältige und beeindruckende Landschaften
gesehen und überall freundliche Menschen angetroffen.
Fahrer: Thomas Petereit
Beifahrer: Mutter Christa Petereit
Mitfahrer: Tochter Emilie