9 Tage im Jemen

Bericht einer Tour von Sana´a durch das Felswadi Surdut und die Steppenlandschaft der Tihama zum Roten Meer und zum Indischen Ozean

 
25.12.2001

Noch hängt die Weihnachtspute mit Rotkohl schwer im Magen, doch was sein muß, muß sein. Pünktlich um sieben Uhr am 1. Weihnachtstag treffen wir uns an meinem Haus in Hadda südlich von Sana´a.Schon seit mehreren Tagen wurde gepackt und die technischen Vorbereitungen an den Autos getroffen. Die nächsten 9 Tage geht es also in eine der schönsten Regionen des Jemens: Durch das Wadi Surdut in die Tihama an das Rote Meer und dann nach Aden.Die Reise wurde einige Tage vorher bei den jemenitischen Behörden ange- meldet und unser Freund Mohamed übersetzte nicht nur die Antragsformulare ins Arabische sondern kümmerte sich um eine rasche Genehmigung.An der Universität treffen wir uns noch mit Ursula und Guido und gleicht geht es weiter nach Norden Richtung Kaukaban. Am nördlichen Checkpoint geht die Sicherheitsdienste recht schnell von statten.


Frühstückszigarette in den Terrassenfeldern bei Machwit

Noch über Asphalt erreichen wir unser erstes Ziel: Machwit. Inmitten der Terassenfelder und Felsklippen liegt diese Kleinstadt. Hier wird erstmal ausgiebig gefrühstückt: In einer kleinen Garküche werden Foul (traditionelles Bohnengericht), Kibda (gebratene Leber mit Gemüse), Hähnchen und Reis aufgetischt. Dazu frisches Fladenbrot. David, einer unserer Jüngsten ,ist noch etwas skeptisch, kann sich doch schnell für Teile eines Hähnchens begeistern.Das üppige Mahl wird zum Schluß durch einen heißen Tee gekrönt. Von Machwit aus geht es nun auf Piste. Über die ausgewaschene Fahrbahn mit Querrinnen geht es jetzt etwas langsamer voran als über den Teer. Das ist auch nicht schlimm. Über atemberaubende Serpentinen schrauben wir uns herunter in das Tal. Immer wieder kommen uns Bauern mit ihren Pickups entgegen und
 
 


Serpentinenpiste in das Wadi Surdut

winken uns freundlich zu. Nach etwa einer Stunde sind wir in so etwas wie einer Talsohle angekommen, der Weg ist nun viel ebener, die Vegetation mit Büschen und dichten Bäumen hat zugenommen. Links und rechts des Weges intensiv bearbeitete Felder und immer wieder Flaschenbäume mit rosaroten Blüten.
Bei einer Pause entdecken wir bei Ursulas Suzuki einen Plattfuß; irgendwo auf der Steinpiste hat es ihr den Reifen zerschossen. Der ist jedoch schnell gewechselt. Die letzten Kilometer des Wadis vor Beni Kamisar sind nun recht feucht. Immer wieder kommen von links und rechts aus den nun dicht am Weg stehenden Klippen kleine Wasserläufe, die sich nun in der Fahrbahn sammeln.In der Regenzeit ist hier sicher nur schwer ein Durchkommen.Die Straße Richtung Hodheida ist nun erreicht, wir verlassen nun das Gebirge und kommen in Bajil, der östlichsten Stadt der Tihama an. Gelegenheit, frische Lebensmittel aufzunehmen, Ursulas Reifen zu flicken und andere, kleine Besorgungen zu machen. Hier treffen wir auch, wohl nicht per Zufall, Ibrahim und seine Polizeieskorte. Ja, sie hätten den Auftrag auf uns aufzupassen, auf die deutsche Reisegruppe aus Sana´a. Nun, sie leisteten weit mehr, suchten Ursula, die sich eine Werkstatt abseits der Strasse rausgepickt hatte und dort "verschollen" war, halfen uns später etwas bei der Orientierung und luden uns am nächsten Morgen sogar zum Frühstück ein. Eine tolle Truppe.


Eine starke Truppe

Nun, als in Bajil alles be- und versorgt war, konnte es los gehen. Ibrahim mußte noch seinen Pickup auftanken und seine Leute etwas für die Nacht mitnehmen lassen. Schließlich wollten die Deutschen nun ja zum Campen. Kurz nach Verlassen von Bajil setzt nun schon die Dämmerung ein, wenig später ist es stockdunkel. Unser Etappenziel, die Küste des Roten Meeres, werden wir heute nicht mehr erreichen. Immer wieder leuchten wir mit den Scheinwerfern das Gelände links und rechts der Sandpiste ab um einen geeigneten Zeltplatz zu finden. Gegen halb sieben werden wir fündig. Schnell werden die Zelte aufgebaut, eine Feuerstelle gegraben und auf dem Gaskocher brutzelt ein Nudelgericht mit Gemüsesoße.


Nächtliches Dinner im Camp

Ibrahim und seine Crew übernachten dezent etwa 200 m weit weg. Also stören uns nachts nur einige junge Hunde aus dem nahen Dorf. Die geben sich ein intensives Jaulkonzert bis in die frühen Morgenstunden.Lars und Phil schlafen traditionell wieder draußen, die anderen ziehen Zelt oder Liegesitz im Auto vor.


Open Air

26.12.2001

Der nächste Morgen begrüßt uns mit einem schönen Sonnenaufgang, nun können wir die vollkommen neue Landschaft geniessen:
Steppenähnlich,  mit einem Bewuchs der eher an Ostafrika erinnert. Die nächsten Tage werden wir noch eindrucksvollere Bilder machen.
Kurze Stippvisite bei Ibrahim und seinen Männern. Herzlich werden wir zu Tee und Fladenbrot eingeladen.
Beim Abbau des Biwaks bekommen wir Besuch aus dem nahen Dorf, einige Kinder und alte Leute. Die freuen sich herzlich über die Reste unserer gestern noch in Bajil eingekauften Gemüsevorräte. Da wir die nächsten Tage auf der Insel Kamaran verbringen und die Autos an Land verbleiben, würden sie sowieso nicht halten.


Weite Landschaft der Tihama

Weiter geht es nun durch die Steppe, nach Karte und GPS orientieren wir uns nach Salif, dem "Fährhafen" nach Kamaran durch. Auf der Sandpiste fühlen wir Afrikaner uns wohl; das sanfte Auf- und Ab der dünigen Fahrbahn hat was Heimatliches. Gegen Mittag erreichen wir Salif. Ibrahim bittet uns nach dem dortigen Checkpoint noch etwas zu warten. Er will uns bei der Hafenbehörde anmelden. Währenddessen bemerken wir ,daß Ursulas Anlasser hängt. Da sie die Gruppe eher verläßt, bedeutet das noch Arbeit.
Ibrahim kommt mit dem Hafendirektor zurück und verabschiedet sich. Die Überfahrt würde sehr stürmisch werden, wahrscheinlich müssten wir sogar warten, bis das Meer ruhiger wird. Nun, schauen wir mal.


Bootstransfer nach Kamaran

Die beiden Bootcrews sind mutiger als angekündigt, die Autos werden an der Kai abgestellt, das notwendige Handgepäck aufgenommen und auf geht es. Die Bootsfahrer sind wahre Könner: Geschickt reiten sie auf den Wellen auf und ab und sichern so eine fast trockene Überfahrt. Bis auf einen richtigen "Patscher" (ob das wohl Absicht war?) kommen wir also trockenen Fußes in Kamaran an. Nun gut, die letzten Meter zum Strand waten wir durch knietiefes Wasser und werden dort von Magda und Tom , ihrem Hund, freundlich begrüßt.Magda, eine ehemalige Hebamme des Deutschen Entwicklungsdienst, baut mit ihrem Mann , Mohamed, hier ein Feriencamp auf. Das ehrgeizige Projekt soll in den nächsten Jahren einmal einen Tauchclub beherbergen.

27.12. - 29.12.2001

In den nächsten drei Tagen genießen wir Sonne pur und die wunderbare Unterwasserwelt des Roten Meer, unterbrochen nur durch Magdas tolle Küche.Ach ja, da war noch unsere Nachtwanderung nach dem Sternbild der Caseopeia,die hier auf der Südhälfte unsere Erde den Polarstern signalisiert. Ein echtes Abenteuer für uns Nordhalbkugelafrikaner, die bislang nur den Großen Wagen kannten. Aber wir haben es noch pünktlich zum Abendessen geschafft.Auch die Mangrovenwälder im Norden der Insel sind ein einzigartiges Erlebnis; in den zerklüfteten Buchten reichen die Bäume mit ihren Wurzeln, ja teilweise bis zu den Kronen, in das Wasser. Viele Vögel nutzen diese hervorragenden Plätze als Brutplätze oder Ansitz für die Fischjagd. Fast zum Greifen nah fahren wir mit den Booten an die Pflanzen heran.


Fahrt in die Mangrovenwälder im Norden der Insel

Wind und Wellengang lassen jedoch nicht nach, jede Bootsfahrt wird zu einem Ritt durch spritzende Gischt, wir müssen uns teilweise auf den Boden der Boote setzen um einigermaßen geschützt zu sein.Bereits am 28.12. verlassen uns Ursula und Guido, sie müssen beruflich zurück nach Sana´a.

29.12.2001

Auf Grund des Seegangs können wir erst gegen Mittag Kamaran verlassen.Über Hodheida geht es Richtung Süden, nicht ohne dort in der Eisfabrik des Jemens ein leckeres Vanilleeis zu probieren. Südlich von Zabid verlassen wir wieder den Teer, um über die Piste das YATA Camp in Al Hockha anzusteuern. Wieder geht es über Sandpisten durch afrikatypisches Steppengelände, in der Dunkelheit erreichen wir das Ziel, nachdem Judith in fließendem Arabisch mehrere Jemenis am Pistenrand befragte.


Jenseits von Afrika

Die Campküche ist bereits geschlossen und so bereiten Stefan und Felix im Heck des Sandbärs ein leckeres Foul zu. Abends sitzt die Crew noch mit zufällig getroffenen Bekannten aus der Botschaft zusammen.

30.12.2001

Der leckere Geruch aus der Kaffeekanne von Stefan lockt nun auch den letzten aus der Hütte. Zwischen den Autos trocknen noch schnell die nassen Sachen der Bootsüberfahrt des gestrigen Tages - kein Problem bei Sonne und Wind. Gegen 10 Uhr starten wir ein letztesmal in die Steppe der Tihama, jetzt Fahrtrichtung gegen das Gebirge, ein tolles Bild.

Am Mittag erreichen wir das Wadi al Ramadah, den Einstieg ins Gebirge nach Taizz. Am Abend erreichen wir Aden.


Im Wadi al Ramadah

31.12.2001

Judith, alterfahrene Reiseleiterin im Jemen, läßt es sich nicht nehmen, uns die Sehenswürdigkeiten von Aden zu zeigen. Alte Kolonialbauten und ihre Geschichte weiß sie uns ebenso zu zeigen ,wie den Geheimtip in Aden: Aziz Buchshop, ein tolles Bücherantiquariat, in der es von alten Briefmarken und Postkarten bis hin zu echt altertümlicher Literatur und und etwas abgegriffenen Taschenbüchern wohl wirklich alles gibt, was zum Wühlen lohnt.


Der Buchladen

Auch die Tanks, jene alten Zisternen, die einst der Wasserversorgung dienen, schauen wir uns an. Den Jahreswechsel verbringen wir in der Elephant Bay; Mareike sorgt nicht nur mit ihren lustigen Tischspielen für Stimmung sondern kostet auch eine Chicha, eine Wasserpfeife.

01.01.2002

Wir verbringen den Neujahrstag an der Wreckbeach, die jetzt zu einer Touristikzone ausgebaut wird. Das berühmte Wrack eines russischen Landungsbootes, nicht sehr ansehnlich, wird zur Zeit mühevoll abgebaut.Am Strand bauen wir uns um unsere Autos den bewährten Windschutz und geniessen Sonne, Sand und Meer. Keine Action, Ruhe nach dem Sturm. Den Abend schliessen wir im berühmten Sching-Sing Restaurant in Aden ab; der Tip für Fischliebhaber der chinesischen Küche. Am "Karusseltisch", der alle leckeren Sachen an einem vorbeifährt, geniessen alle die Kochkunst des Hauses.


Outdoorcamp in der Wreckbeach

02.01.2002

"Rücksturz" nach Sana´a; Ankunft dort am Abend. Kurzes Afterlanding bei Di Angelo, dem Italiener. Alle sind müde, die Sonne zeichnete ihre Spuren in den Gesichtern. Doch eine tolle Tour liegt hinter uns.
 
 

David & Marc


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Die Crew

Ursula

Felix

Judith

Stefan

Guido

Mareike

Elke

Phil & Lars